Letzten Samstag waren wir auf einer Canyoning Tour in Andalusien. Unsere Gruppe setzte sich aus acht Freunden und zwei Guides zusammen. Nur zwei Teilnehmer (außer den Guides) waren bereits zuvor einmal Schluchtenwandern. Für alle anderen (mich eingeschlossen) war es ein völlig neues Abenteuer…

Canyoning: Was ist das?

Allgemeine Beschreibung

Unter Canyoning versteht man das Absteigen bzw. Überwinden einer Schlucht. Abhängig von der Beschaffenheit der Schlucht, des Bergflusses können bestimmte Abschnitte überklettert, durchschwommen, hinabgerutscht oder hinabgesprungen werden. Auch Abseiltechniken wie Rappel kommen zum Einsatz.

Wo hat das heutige Canyoning seinen Ursprung?

Im Zuge von Expeditionen wurden wohl schon immer Flussläufe erwandert bzw. erforscht. Während es bei Expeditionen oft darum ging, einen Fluss vom Tal bis hinauf zur Quelle zu folgen, so geht es beim Canyoning mehr um den Funfaktor beim Abstieg durch Sprünge in Wasserbecken, Abseilungen oder durch das Hinabrutschen auf Naturrutschen (Naturstein-Rutschen).

Ihren Ursprung hat die Schluchtenbegehung in Form von Canyoning (so wie wir es heute kennen) in den späten Neunzigern in Spanien und Südfrankreich. Später breitete sich diese Faszination weiter in den Nordalpen, in den USA und in Kanada aus.

In den USA ist Canyoning auch unter dem Begriff Canyoneering bekannt. In Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen deutschsprachigen Regionen wird auch vom Schluchtenwandern oder Schluchteln gesprochen.

Canyoning Tipps
Canyoning in Andalusien. Links: Naturrutsche / Rechts: Erfrischendes Bad in einem Naturpool unterm Wasserfall. Trotz Neoprenanzug fühlt sich die Wassertemperatur kalt an.

Welche Voraussetzungen gilt beim Schluchtenwandern es zu beachten?

Beim Canyoning gibt es ähnlich wie auf Klettersteigen verschiedene Schwierigkeitsgrade. Abgesehen von der Tatsache, dass man für beide Outdoor-Abenteuer eine professionelle Ausrüstung benötigt, unterscheidet sich jedoch Canyoning in zahlreichen Aspekten vom normalen Klettern.

Anfänger sollten auf keinen Fall alleine zum Canyoning aufbrechen, sondern eine Canyoningtour in Begleitung und unter der Aufsicht erfahrener Canyoningführer unternehmen.

Die Schwierigkeitsgrade beim Canyoning unterteilen sich auf einer Skala von 1 bis 7. Schwierigkeitsgrad 1 ist die einfachste Variante. 7 ist der höchste Schwierigkeitsgrad.

Bei Schwierigkeitsgrad 1 handelt es sich um moderate Flussläufe ohne senkrechte Wände und ohne Anstiege. Je höher der Schwierigkeitsgrad wird, desto mehr Hindernisse gilt es su überwinden. Hier kann es sich um Wasserfälle, steile Felswände inmitten von Wasserläufen oder Felsvorsprünge handeln, die nur durch einen gewagten Sprung in ein tiefer liegendes Wasserbecken erreicht werden können. Die Sprunghöhe bewegt sich nicht selten in Bereichen über 5 Meter oder höher.

Die Herausforderung beim Springen liegt zudem nicht nur in der Höhe, sondern auch und vor allem in der Erfordernis, den Sprung punktgenau zu absolvieren, um so Verletzungen durch falsches Einspringen zu vermeiden (verborgene Felsen auf dem Grund des Wasserbecken, sehr enge Wasserbecken, Überhänge).

Ein Problem für Anfänger liegt in der Tatsache, dass in den Schluchten oft keine Ausweichwege zur Auswahl stehen. Ist keine entsprechende Ausrüstung vorhanden, dann sitzt man schnell in der Falle, da es weder eine Möglichkeit für einen weiteren Abstieg, noch die Alternative eines Rückwegs gibt. Deshalb sind für Canyoningtouren mittlerer und höherer Schwierigkeitsgrade erfahrene Canyoningführer unerlässlich.

Canyoning, Schluchtenwandern
Sprünge beim Canyoning müssen zielgenau absolviert werden.

Canyoning Erfahrungen

Meine Canyoning Erfahrungen im Río Verde, Andalusien.

Wo waren wir zur Canyoningtour?

Wir waren im Río Verde in der andalusischen Provinz Granada.

In Andalusien existieren zahlreiche Möglichkeiten für Canyoning, hier vor allem in den Provinzen Málaga und Cádiz. Beliebte Canyoningtouren gibt es in den Gegenden Sierra de Grazalema (Garganta Verde) nahe Ronda, Touren im Río Guadalmina in Benhavís (Provinz Málaga) und im Río Verde in der Provinz Granada.

Unter den genannten Gebieten gilt der Río Verde in Granada zu den spektakulärsten Kulissen für Canyoningtouren.

Wie ist der Schwierigkeitsgrad und die Dauer im Río Verde?

Im Río Verde stehen verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Auswahl. Auch die Länge der Route kann individuell angepasst werden. Unsere Canyoningtour bewegte sich im mittleren Schwierigkeitsgrad. Für den Abstieg und die Überwindung der Hindernisse benötigten wir ca. 5 bis 6 Stunden, wobei wir nicht auf die Uhr sahen und stattdessen das Abenteuer in vollen Zügen genossen. Wir hatten weder Uhren noch Handys dabei und nutzen die Naturtour gleichzeitig für Digital Detox.

Wie viele Teilnehmer waren wir in unserer Canyoning-Gruppe?

Unsere Gruppe setzte sich aus acht Freunden und zwei Tourguides zusammen. Diese Gruppengröße war optimal. Wir hatten viel Spaß und da wir nicht zu viele Teilnehmer waren, fanden unsere zwei Guides Andrés und Pachi viel Zeit für Erklärungen zu Techniken sowie Flora und Fauna.

Canyoning Erfahrungen
Unsere Gruppe beim Canyoning im Río Verde in Andalusien (Provinz Granada).

Über welchen Tourveranstalter unternahmen wir das Outdoor-Abenteuer?

Die Canyoningtour buchten wir über malakaadventure.com. Unsere Tourguides Pachi und Andrés sind gleichzeitig die Gründer dieses kleinen Adventure-Unternehmens. Die Beiden sind Urandalusier, haben jede Menge Erfahrung und man merkt, dass ihr Job gleichzeitig ihre große Leidenschaft ist. Die Webseite ist nur auf Spanisch verfügbar und sie sprechen auch nur einige Brocken Englisch. Für eine Basisverständigung während einer Canyoningtour sollte es jedoch reichen.

Falls du deine Canyoningtour in Andalusien über Malaka Adventure buchen und vorher noch ein paar Worte Spanisch lernen willst, dann nutze unseren Spanisch Kurs für Anfänger.

Neben Canyoningtouren kann man über die beiden Tourguides auch Trekkingrouten und Wanderrouten in Andalusien, Via Ferratas und andere Outdoor-Abenteuer organisieren lassen.

Welche Erfahrungen machten wir?

Nur zwei Teilnehmer aus unserer Gruppe hatten bereits Erfahrungen von anderen Canyoningtouren. Alle anderen machten dieses Abenteuer zum ersten Mal. Ich eingeschlossen. Da auch bei den beiden erfahreneren Canyoning-Teilnehmern die erlebte Canyoningtour viele Jahre zurück lag, so war das Begeisterungslevel bei uns allen gleich hoch.

Das Gruppenerlebnis

Neben der malerischen Naturkulisse und den Herausforderungen beim Überwinden der Hindernisse bleiben vor allem auch die Erfahrungen des Gruppenerlebnis positiv in Erinnerung. Unsere Gruppe setzte sich aus sportlichen und erfahrenen Outdoorern und aus weniger erfahrenen und sogar weniger sportlichen Mitgliedern zusammen. Der Gruppengeist schweißte zusammen und ließ uns gemeinsam alle Hürden nehmen.

Beim Canyoning ist nicht nur sportliche Kondition gefragt, sondern auch eine gehörige Portion Mut. Die höchsten Sprünge waren von einer geschätzten Sprunghöhe von 7 Metern zu absolvieren. Nicht nur die Sprunghöhe war respekteinflößend. Einige Sprünge mussten zielgenau und mit möglichst gebeugten Beinen und ausgebreiteten Armen in eine Schlucht durchgeführt werden. Die Wassertiefe mancher Becken war gerade so tief, dass man zwar springen kann, aber die Beine nach dem Eintreten ins Wasser trotzdem auf den Boden aufkommen. Deshalb müssen die Beine beim Sprung angewinkelt werden. Die ausgebreiteten Arme bremsen den Sprung beim Auftreffen auf die Wasseroberfläche ab.

Einer unserer Freunde, der weniger gute Kondition besitzt, hatte beim Aufstieg zu kämpfen, übertraf sich jedoch selbst und wuchs quasi über sich hinaus. Er kämpfte sich den Anstieg bis zum Ende hinauf und absolvierte selbst die gewagtesten Sprüngen, ohne mit der Wimper zu zucken.

Ein anderer Freund, der sehr viel Erfahrung Outdoor sowie eine hervorragende körperliche Fitness mitbringt, schreckte bei den letzten schwierigen Sprüngen zurück und weigerte sich sogar, zu springen. Auch ich zögerte bei einem besonders einschüchternden Sprung für die geschätzte Zeit einer Minute, bevor ich dann den Sprung wagte. Zu lange darf man nicht überlegen. Nach dem Sprung war der Adrenalinschub deutlich spürbar. Und natürlich die Freude, dass man sich selbst überwunden hat.


Tipps für die Ausrüstung

Gestellte Canyoning-Ausrüstung

Für Canyoningtouren mittlerer und hoher Schwierigkeitsgrade ist entsprechende Canyoning-Ausrüstung erforderlich. Diese Canyoning-Ausrüstung wir vom Tourorganisator gestellt:

  • Neoprenbekleidung
  • Neoprensocken
  • Canyoninggurte (für das Abseilen)
  • Abseilgeräte und Canyoningseile
  • Canyoning-Helm
  • Transportsäcke, Packsäcke
  • Wasserdichte Behälter: Aufbewahrungsdosen mit Schraubverschluss, die im Transportrucksack verstaut werden. Darin können z.B. nicht wasserdichte Smartphones, Kameras oder Geld mitgeführt werden.

Diese Ausrüstung und Bekleidung musst du selbst mitbringen

Für Canyoning solltest du ähnliche Ausrüstung und Bekleidung bereithalten wie für Flusswandern. Vor allem benötigst du stabile Schuhe, Trinkwasser und eine Badehose.

Turnschuhe, Wasserschuhe, wasserdichte Schuhe

Du musst nicht extra neue Wasserschuhe kaufen. Es reichen gewöhnliche Turnschuhe, wenn sie so gefertigt sind, dass sie sich nicht beim Kontakt mit Wasser auflösen. Ich hatte meine wasserdichten The North Face Trekkingschuhe Hedgehog Fastpack GTX mit Gore Tex dabei und war sehr zufrieden.

Anstatt Trekkingstiefel empfehle ich dir normale Wanderhalbschuhe. Lederschuhe sind ungeeignet.

Am besten eignen sich Trekking-Halbschuhe aus wasserdichten oder wasserabweisenden Materialien. Trekkingschuhe haben zudem den Vorteil, dass sie eine für alle Outdooroberflächen geeignete Sohle besitzen und somit sehr guten Grip auf den rutschigen Flusssteinen bieten.

UV-Schutz, Sonnenschutz, UV-Schutzkleidung

UV-Schutzkleidung ist nicht zwingend notwendig jedoch vorteilhaft. Um den Einstieg zur Schlucht zu erreichen, mussten wir zuerst einen kräftezehrenden Aufstieg von knapp einer Stunde in praller Morgensonne absolvieren. Wenn du keine Lust hast, dich einzucremen, dann kann ein T-Shirt mit UV-Schutz eine gute Wahl sein. Das Gesicht und Unterarme solltest du natürlich trotzdem mit Sonnenschutzcreme einreiben.

Das UV-Schutz-T-Shirt kannst du auch unter dem Neoprenanzug tragen.

T-Shirt mit UV-Schutzfaktor für Canyoning, Ausrüstung.
T-Shirt mit UV-Schutzfaktor.

Etwas Trinkwasser

Während unserer etwa 6 Stunden dauernden Tour kam ich mit einer mit Trinkwasser gefüllten 1 Liter Edelstahl-Trinkflasche aus. Hierzu muss jedoch angemerkt werden, dass wir unterwegs auf eine Quelle stießen, aus der wir direkt gefiltertes Flusswasser trinken konnten.

Da das Trinkwasser in Rucksäcken mitgenommen werden muss, sollte anders als beim Wandern und Trekking die Trinkwassermenge gut dosiert werden. Beachte hierzu auch unsere Tipps gegen Dehydratation, durch die du einen zu großen Trinkwasserverbrauch von vornherein eindämmen kannst.

Eine Möglichkeit, um das Gewicht des mitgeführten Trinkwasser gering zu halten, ist die Mitnahme eines ultraleichten Trinkwasserfilter wie den Sawyer Mini.

Sonstige Ausrüstung: Tipps

Außer unserer Trinkflasche nahmen wir keine eigene Ausrüstung mit zum Canyoning. Die Trinkflaschen verstauten wir in zwei Packsäcken, die wir während der Tour abwechselnd trugen. Unsere Sachen ließen wir zurück in den Autos.

Unter den Neoprenanzügen trugen wir Badehosen. Neben den Schuhen für das Canyoning hatten wir trockene Wechselschuhe mit. Auch ein trockenes T-Shirt, trockene Socken und trockene Unterwäsche sind von Vorteil.


Wie gefährlich ist Schluchtenwandern?

Gibt es auch Unfälle beim Canyoning?

Beim Aufstieg zum Canyon scherzten wir viel mit unseren Guides und auch beim Anziehen der Neoprenanzüge sowie beim ersten Wasserkontakt im allerersten der zahlreichen Naturpools wurde viel gelacht.

Bevor es dann richtig losging mit der Canyoningtour, rief uns einer der beiden Guides zu einem kurzen Briefing zusammen und wurde ernster. Er wies uns an, bei den kommenden Hindernissen keine eigenmächtigen Dummheiten zu machen und während der folgenden Hürden konzentriert zu bleiben und seinen Anweisungen zu folgen.

Canyoning ist ein Outdoor-Abenteuer und birgt als solches auch einen gewissen Risikofaktor. Das solltest du bedenken. Einige Sprünge und Abseilmanöver erfordern die ganze Aufmerksamkeit und auch Mut. Leichtsinnig sollte man nicht werden. Immer wieder passieren Unfälle, die vor allem auf Unaufmerksamkeiten zurückzuführen sind.

In unserer Gruppe lief alles bestens und wir kamen gesund und munter wieder zurück. Fast jedenfalls. Einer unserer Freunde wagte einen Sprung von einem Felsen aus über 12 Metern Höhe. Er kam schief auf der Wasseroberfläche auf und zerrte sich etwas am Hals.

Bei Sprüngen über 7 Metern sollte man genau auf die Körperhaltung achten. Das sagte jedenfalls unser Tourführer, der ebenfalls diesen Sprung wagte, aber bereits viel Erfahrung im Springen besitzt.

Canyoning: Sprung mit Packsack.
Canyoning: Sprung mit Packsack.

Wo kann ich Schluchtenwandern?

Canyoning erfreut sich in nationalen und internationalen Destinationen wachsender Beliebtheit. Neben Spanien, Portugal und Frankreich (Pyrenäen) gibt es auch vor deiner Haustür in Deutschland (in Bayern), Österreich und der Schweiz zahlreiche Möglichkeiten. Wenn du weiter reisen möchtest, dann kann auch Kanada ein geeignetes Ziel sein und hier vor allem die Naturparks in den Rocky Mountains.


Weiterführende Infos

Noch mehr atemberaubende Wassersportarten oder Outdoor-Aktivitäten im Wasser findest du in unserer Wassersportarten Liste.

Wenn wir schonmal bei Listen sind…

Schonmal von der Bucket List gehört? Eine Bucket List ist eine Liste mit Abenteuern oder Sachen, die du unbedingt machen bzw. erleben möchtest, solange du lebst. Wenn du schon beim Canyoning warst, dann kannst du dieses Abenteuer von deiner persönlichen Bucket List streichen. Falls nicht, dann hoffen wir, dir mit unserem Artikel ein paar nützliche Infos für deine erste Canyoningtour mitgegeben zu haben.

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