Einsatzgebiete von Kompassen 2018: Verwendung & Empfehlungen

Kompass für Urban Survival
(Last Updated On: 13. September 2018)

Kompasse werden seit Jahrhunderten als Orientierungshilfe verwendet.

Heute haben GPS und entsprechende Apps den Kompass auf vielen Gebieten ersetzt. In manchen Fällen ist der Kompass aber nach wie vor die beste Alternative und kann sogar zum Lebensretter werden.

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Seit wann gibt es Kompasse?

Das Prinzip von Kompassen, die sich nach Norden oder Süden ausrichtende Magnetnadel, war bei den Chinesen bereits Jahrhunderte vor Christus bekannt. Ab dem 11. Jh. wurden von den Chinesen dann schwimmende, nasse Kompassnadeln verwendet, die Südweiser genannt wurden.

Spätestens ab der Zeit der Kreuzzüge (zwischen 11. bis 13. Jh.) erfuhren dann auch europäische Seefahrer davon. Seitdem gilt der Kompass als einer der ältesten und bewährtesten mechanischen Orientierungshilfen des Menschen.

Einsatzgebiete von Kompassen (allgemein)

Einsatz von Kompassen in der Seefahrt

Die Welt ist digitalisiert, kartografiert und man möge meinen, es gäbe fast nichts mehr zu entdecken. Man könnte auch meinen, dass Kompasse keine Rolle mehr spielen würden, weil wir ja GPS haben. Dem ist jedoch nicht so.

In der Seefahrt gilt der Umgang mit dem Kompass nach wie vor als eine der grundlegenden Fähigkeiten, die jeder angehende Seefahrer beherrschen muss.

Davon konnte ich mich selbst überzeugen. Denn vor Jahren machte ich den spanischen Yachtschein P.E.R. und nach dem Bestehen der Theorieprüfung (die nicht ohne war), ging es in der Praxis mit einer Segelyacht und aufgespannter Baluma von Gibraltar über das Mittelmeer ins marokkanische Ceuta.

Auf der Überfahrt hielt ich den Kurs allein mit dem Kompass, während der Kapitän in der Kajüte ein paar Tapas für alle zubereitete.

Diese Überfahrt habe ich gerne in Erinnerung. Ich weiß aber auch noch, wie mir die Hände schwitzten am Steuer. In der Meerenge wehen starke Winde, abhängig der Windrichtung Levante oder Poniente. Die Baluma zog uns mit um die sieben Knoten über die Meerenge, was jede Menge ist, wenn man bedenkt, dass bei der Steuerung per Hand und Kompass jeder minimale Kurswechsel spürbare Folgen hat.

Sobald ich nur minimal vom Kurs abkam, schlug die Baluma aus, die Yacht schlenkerte und der Kapitän schrie aus der Kajüte: “Wenn wegen dem Deutschen die Tortilla runter fällt und es nichts zu essen gibt, dann bedankt euch beim Deutschen, der das Steuer nicht richtig halten kann.”

Wir lachten. Trotzdem stand ich wohl ziemlich verkrampft am Steuer und war trotz der wunderbaren Erfahrung, eine Yacht über die Meerenge zu steuern, am Ende froh, als wir endlich die Küste von Ceuta in Marokko erreichten.

Zum Video mit Aufnahmen von der Rückfahrt von Marokko nach Gibraltar

Navigieren mit Kompass.
Eine Segelyacht nur mit Kompass zu navigieren war eine echte Herausforderung. Links vorn ist die aufgeblasene Baluma, die uns mit um die 7 Knoten gezogen hat.

Einsatz von Kompassen beim Wandern und Trekking

Beim Wandern und Trekking orientieren sich die meisten wohl vor allem mittels Smartphone und entsprechenden Apps wie Komoot oder anderen Trekking-Apps.

Außer den Apps auf dem Smartphone kommen beim Wandern, Trekking, Trailrunning oder Mountain-Biking Sportuhren mit GPS zum Einsatz, wie Modelle von Garmin, auf denen ebenfalls Karten abgelesen und Wegstrecken getrackt werden können.

GPS ist sehr praktisch. Denn wenn die Karten der entsprechenden Apps aufs Gerät geladen werden, dann wird die Verbindung zwischen Gerät und GPS-Satellit völlig ohne Internet oder Telefonverbindung gehalten. Auch ist es egal, ob du in bewohnten Gebieten oder irgendwo auf einem abgelegenen Trail im Himalaya unterwegs bist. Über GPS kannst du (fast) überall die Verbindung halten.

GPS ist eine prima Sache. Aber GPS benötigt Strom.

Falls dir unterwegs beim Wandern der Saft ausgeht und du hast nur dein GPS dabei, dann stehst du buchstäblich im Wald. So empfiehlt es sich, vor allem bei größeren Touren durch unbewohntes Gebiet, immer auch einen Kompass mitzunehmen. Im Falle, dass dein GPS ausfällt oder du plötzlich ohne Strom dastehst, kannst du mit dem Kompass den Weg zurück finden.

Aufgrund vielseitiger Orientierungshilfen wie eben dem GPS scheint der gute alte Kompass etwas in Vergessenheit geraten.

Im Folgenden stellen wir dir einige Einsatzmöglichkeiten von Kompassen beim Wandern und Trekking vor, wo der Kompass auch heute noch Verwendung findet.

Verwendungszwecke von Kompassen im Outdoor-Freizeit-Bereich

#1 Kompass als Backup beim Wandern und Trekking

Als Backup sollte ein Kompass in keinem Trekking-Rucksack fehlen. Vor allem bei Wanderungen bei sehr kalten Außentemperaturen wie beim Wintertrekking werden Akkus stark auf die Probe gestellt. Es reichen ein paar Stunden während der du die Akkus nicht am Körper hast, wo sie warm aufgehoben sind, und die Kälte kann selbst den vollen Akku deiner Powerbank entladen.

Wenn das passiert und auch beim Smartphone schon der rote Balken blinkt und du bist weit draußen und abseits der Wege, dann hast du nun ein echtes Problem.

Gut, du könntest dich am Sonnenstand oder an den Sternen orientieren. Die Winter in Deutschland und auch in anderen Teilen Nordeuropas sind jedoch oft über Tage und sogar Wochen so diesig und wolkenverhangen, dass du weder Sonne noch Sterne sehen wirst.

In diesem Falle könntest du dich am Moosbewuchs der Bäume und der Windrichtung orientieren. Oder du suchst ein Gewässer wie einen Bach und folgst ihm stetig dem Wasserlauf entlang, solange bis du wieder auf bewohntes Gebiet triffst. Es kann dann allerdings sein, dass du wo ganz anders rauskommst als wo du eigentlich hinwolltest.

Kaufe dir also lieber einen einfachen Kompass und nehme ihn als Backup mit. Mit einem Kompass kannst du dich bei jedem Wetter und sogar nachts orientieren. Im Extremfall kann dir ein Kompass das Leben sehr erleichtern oder sogar dazu beitragen, es zu retten.

#2 Kompass als Orientierung für Bushcrafter

Bushcrafter sind gerne Old-School-mäßig unterwegs. Das liegt in der Natur der Sache. Denn beim Bushcraften geht es nicht darum die beste Ausrüstung in den Wald zu tragen, sondern es geht eben darum, damit auszukommen was man gerade hat.

Für viele Bushcrafter ist es Ehrensache, so unauffällig und mit so wenig Hilfsmitteln durch die Natur zu gehen wie nur möglich. Und ein piepsendes Smartphone oder die künstliche Stimme einer Sprecherin des GPS-Trackers würden nicht nur die natürliche Atmosphäre in der Natur stören, sondern sie wären in diesem Falle regelrecht kontraproduktiv.

Beim Bushcraften geht es darum, sich mit leisen Schritten durch die Natur zu bewegen, in die Natur einzutauchen, von ihr zu lernen und mit ihr und von ihr zu leben.

Ein Kompass ist ein altbewährtes Hilfsmittel, das Seefahrer schon vor vielen hundert Jahren als Orientierungshilfe verwendeten. Wohl auch Trapper nutzten den Kompass. Und da Bushcrafter im Prinzip moderne Trapper sind, steht der Verwendung eines Kompass auch für den urigsten Bushcrafter nichts im Wege.

#3 Kompass beim Urban-Survival

GPS, Smartphone, Tracking-Apps sind eine prima Sache. Nur leider beim Urban-Survival völlig fehl am Platz. Denn dank GPS kannst nicht nur du selbst die Wegstrecke tracken. Auch dein eigener Wegverlauf sowie dein momentaner Aufenthaltsort können bei eingeschaltetem GPS jederzeit nachverfolgt werden.

Wenn du nicht erkannt werden willst und nach dem Grey-Man-Prinzip unterwegs bist, dann solltest du besser auf digitale Hilfsmittel verzichten. Als Orientierungshilfe beim Urban-Survival eignet sich ein Kompass am besten.

Wegen eines Kompass wirst du von niemandem entdeckt (es sei denn du hältst ihn ungeschickt ins Sonnenlicht und dein Kompass reflektiert). Mithilfe eines Kompass kannst du dich jedoch jederzeit, bei jedem Wetter und sogar nachts orientieren.

Urban-Survival Checkliste
Tipps für die Zusammenstellung deiner Urban-Survival Ausrüstung.
Urban Survival Ausrüstung: Kompass.
Beim Urban-Survival kann ein Kompass die vorteilhafteste Orientierungshilfe darstellen.

Besser analoger Taschenkompass oder Kompass-App?

Für Android und für iOS sind unzählige Kompass-Apps verfügbar. Viele Kompass-Apps sind gratis. Für einige sind ein paar Cent oder Euro fällig und andere können, wenn sie einmal auf dem Smartphone installiert sind, durch Zukäufe im Funktionsumfang erweitert werden.

Gibst du bei Google Play oder im Appstore von Apple die Suchbegriffe “Compass” oder “Kompass” ein, dann erhältst du hunderte Suchergebnisse von Kompass- und Navigations-Apps, mit deren Hilfe du dich digital mehr oder weniger nutzerfreundlich gut orientieren kannst.

Ein digitaler Kompass in Form einer Kompass-App hat seine Berechtigung und kann immer dann sinnvoll sein, wenn du dich an Orten orientieren willst, die durch das GPS abgedeckt sind und wo die Smartphone-App somit reibungslos funktioniert.

Jedoch solltest du bedenken, dass GPS Strom benötigt. Bist du ausschließlich mit GPS unterwegs, dann vergiss nicht, ausreichend Wechselakkus oder die Powerbank mitzunehmen.

Für die Orientierung im Gelände kann ein analoger Taschenkompass eine gute Alternative zu Kompass-Apps und anderen digitalen Orientierungshilfen darstellen.

Fazit

Aufgrund des technischen und digitalen Fortschritts kommen Kompasse heute nicht mehr so oft zur Verwendung wie noch vor hundert Jahren. Trotzdem hat der Kompass nichts an seiner ursprünglichen Bedeutung eingebüßt. Denn auch heute gilt er nach wie vor als zuverlässigste Orientierungshilfe, wenn z.B. wegen Stromausfall, leerer Akkus oder sonstiger Havarien moderne Orientierungshilfen wegfallen.

Jeder sollte sich mindestens einmal mit der Funktionsweise von Kompassen auseinandergesetzt haben. Und Wanderer sollten sich überlegen, was sie tun würden, wenn in den Bergen und auf abgelegenen Pfaden plötzlich ihr GPS ausfällt. Kompasse sind klein und leicht. Als Backup im Trekking-Rucksack kann ein Kompass unter Umständen zum Retter in der Not werden.

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