Kann man sich Outdoor einen Kompass selber bauen?

Funktioniert es, eine Nähnadel an Stoff zu reiben, um diese zu magnetisieren und daraus eine Kompassnadel zu basteln?

Erfahre, ob du durch Reibung eine Nähnadel oder einen Nagel zur Kompassnadel umfunktionieren kannst. Und was es überhaupt für Möglichkeiten gibt, draußen eine Kompassnadel ohne Kompass zu improvisieren.

Themenübersicht:

  1. Kompass bauen Anleitung
  2. Kompass bauen ohne Wasser
  3. Wie zuverlässig ist der selber gebaute Kompass?
  4. Alternative Orientierungsmethoden

Kompass bauen Anleitung

Um einen Kompass selber bauen zu können, benötigst du ein längliches und leichtes Stück Metall, das magnetisiert werden kann. Eine Nähnadel oder ein dünner Nagel eignen sich besonders gut.

Des Weiteren benötigst du eine Schüssel oder einen anderen Behälter mit Wasser. Zuletzt brauchst du einen Schwimmer, worauf die magnetisierte Nadel platziert werden kann.

Nadel, Nagel, Büroklammer magnetisieren

Der magnetische Nordpol kann durch deine Nadel nur dann angezeigt werden, wenn diese magnetisiert ist. Hierfür eignet sich ein einfacher Magnet wie z.B. ein Heftmagnet, der sich an deiner Kühlschranktür befindet.

Hast du einen Magneten gefunden, dann reibst du die Spitze der Nadel mehrmals in einer Richtung vom dicken Ende zum dünnen Ende des Metalls.

Ob die Nadel tatsächlich magnetisiert wurde, kannst du leicht überprüfen. Halte sie einfach an ein anderes Metall wie ein leichtes Stück Draht.

Kompass selber bauen. Improvisierte Kompassnadel magnetisch machen.
Nadel an Magnet magnetisieren. Rasierklinge an Magnet magnetisieren. Magnetische Spannung an der Nadel über eine Spirale erzeugen.

Nadel oder Rasierklinge mit Spirale magnetisch aufladen

Anstatt einer Nadel, einem Nagel oder einer Büroklammer kannst du auch eine Rasierklinge zur Kompassnadel umfunktionieren. Im Praxistest jedoch hat sich gezeigt, dass der selber gebaute Kompass am besten mit einer normalen und dünnen Nähnadel auf einem sehr leichten Schwimmer funktioniert.

Um das Metall magnetisch zu machen, kannst du auch das Prinzip eines Elektromagneten nutzen. Dieser besteht aus einem Metallkern, der mit einer metallischen Spule mit elektrischer Spannung umwickelt ist.

Um dir so einen Elektromagneten im Miniformat selbst bauen zu können, benötigst du eine Batterie und dünnen Draht, aus dem du eine Spule drehen kannst.

Im Test hat sich gezeigt, dass die Spannung einer 1,5 Volt Batterie einer Taschenlampe nicht ausreicht, um die Nadel damit magnetisieren zu können. Hierfür solltest du mindestens eine Batterie mit einer Stromstärke von 4,5 Volt verwenden.

Nadel, Nagel entmagnetisieren

Es kann vorkommen, dass die Nadel zu stark magnetisiert wurde. Dann schlägt beim Test auf dem Wasser nicht die spitze und dünne Seite nach Norden, sondern das dicke Ende der Nadel.

Das rührt daher, weil dann nicht nur die Nadelspitze sondern die gesamte Nadel magnetisiert wurde. Und das dicke Ende der Nadel mit der stärksten magnetischen Kraft schlägt nun nach Norden.

Du kannst die Nadel ganz leicht entmagnetisieren, indem du sie eine Weile über die Flamme einer Kerze hältst. Die Curie-Temperatur hebt die magnetische Kraft des Metalls wieder auf.

Anstatt die Nadel über eine Kerze zu halten, kannst du sie auch mehrmals auf den Boden werfen. Auch Stöße neutralisieren die magnetische Aufladung.

Ist die Nadel entmagnetisiert, kannst du sie nun noch einmal über deinen Magneten ziehen, um sie von neuem magnetisch aufzuladen.

Kann man die Nadel auch durch Reibung magnetisieren?

Es hält sich das Gerücht, dass eine Nähnadel allein durch Reibung magnetisiert werden kann, so dass die Nadel durch Reibung zu einer selber gebauten Kompassnadel wird.

Diese Theorie kann man sogar in zahlreichen Büchern nachlesen wie im Survivalbuch „Überleben ums verrecken“ von Rüdiger Nehberg.

Der Praxistest hat gezeigt, dass allein durch Reibung keine ausreichende magnetische Wirkung an der Nadel erreicht werden kann. 

Die magnetische Nadel auf dem Schwimmer im Wasser platzieren

Als Schwimmer eignet sich ein Stück Kork. Hier kannst du die Nadel längs hindurch stechen und der leichte Korken schwimmt mit der Nadel zuverlässig auf der Wasseroberfläche.

Willst du den Kompass draußen in der Natur bauen und hast keinen Korken, dann kannst du jedes Material nehmen, das leicht und schwimmbar ist.

Bei der Auswahl des Schwimmers solltest du bedenken, dass auch eine stark magnetisierte Nadel nur eine begrenzte magnetische Kraft besitzt. Je kleiner und leichter der Schwimmer ist, desto weniger muss er dem Widerstand auf der Wasseroberfläche entgegen wirken.

Der Schwimmer sollte also klein, leicht und trocken sein. Und die Nadel sollte sicher darauf platziert werden können.

Kompass bauen ohne Wasser

Hast du kein Wasser, aber eine magnetische Nadel, dann kannst du dir mit etwas Nähfaden weiterhelfen.

Kompass selber bauen ohne Wasser. Anstatt Wasser einen Faden verwenden und daran die Nadel ausbalancieren.
Kompass selber bauen ohne Wasser. Magnetische Nadel oder Rasierklinge an Faden ausbalancieren.

Anstatt die Nadel auf einem Schwimmer im Wasser zu platzieren, kannst du sie an einem dünnen Faden aufhängen. Der Faden sollte möglichst in der Mitte der Nadel befestigt sein, so dass sich die Nadel waagerecht ausbalancieren kann.

Diese Methode ohne Wasser ist natürlich sehr anfällig. Bist du draußen im Gelände, dann funktioniert das bereits bei kleinstem Wind nicht zuverlässig.

Entweder es herrscht Windstille oder du baust dir einen Windschutz. Darunter kannst du dann dein Glück versuchen.

Wie zuverlässig ist der selbst gebaute Kompass?

Es wurden mehrere Versuche mit verschiedenen Nadeln und auch mit einer Rasierklinge durchgeführt.

Wenn du es schaffst, tatsächlich nur die Nadelspitze zu magnetisieren, dann kann die Nadel nach Norden ausschlagen. Magnetisierst du sie zu sehr, dann weist das dicke Ende der Nadel nach Norden.

Ist die Nadel magnetisch, dann kannst du damit sehr gut die Nord-Süd-Achse ausfindig machen. Vor allem Outdoor und unter widrigen Bedingungen sollest du dich jedoch nie hundertprozentig auf das Ergebnis dieses selbst gebauten Kompass verlassen.

Auch wenn die Nord-Süd-Achse angezeigt wird, so gibt es keine absolute Sicherheit, welche Richtung Norden und welche Richtung Süden ist.

Der selber gebaute Kompass kann als ein Hilfsmittel verstanden werden.

Du solltest ihn jedoch immer in Kombination mit anderen Methoden der Orientierung im Gelände anwenden.

Alternative Methoden zur Orientierung

Tagsüber und bei Sonne funktioniert die Orientierung nach der Sonne sehr zuverlässig. Sie geht im Osten auf und im Westen unter. Mittags steht sie am Himmel immer leicht südlich (auf der nördlichen Halbkugel).

In der Nacht kannst du dich am Nordstern orientieren, der sehr leicht über das Sternbild des großen Wagen (großer Bär) zu finden ist.

Als ultraleichte Alternative zu einem richtigen Kompass, kannst du einfach eine einzelne Kompassnadel mitnehmen, die du aus einem alten Kompass ausgebaut hast.

Alternativen zur Orientierung im Überblick:

Orientierung: Der komplette Ratgeber

  1. Orientierung im Gelände
  2. Orientierung nach Sonne
  3. Orientierung nach Sternen
  4. Orientierung mit GPS
  5. Orientierung mit Kompass
  6. Orientierung mit Fernglas
  7. Orientierung nach Windrichtung
  8. Uhrzeit ohne Uhr bestimmen
  9. Orientierung in der Stadt

Fragen und Antworten

Was brauche ich zum Kompass bauen?

Für den Bau benötigst du eine magnetisierte Nadel, Büroklammer oder einen magnetisierten Nagel. Außerdem brauchst du einen Schwimmer und einen Wasserbehälter.

Wie baue ich den Kompass zusammen?

Die magnetisierte Nadel wird sicher auf dem Schwimmer platziert. Der Schwimmer sollte sehr leicht und klein sein. Gerade so, dass er die Nadel oder den Nagel auf der Wasseroberfläche des gefüllten Wasserbehälter tragen kann.

Kann ich einen Kompass auch ohne Wasser bauen?

Prinzipiell ist das möglich. Hierfür wird die Nadel ausbalanciert an einem dünnen Faden angebracht. Ist die Nadelspitze magnetisch, dann wird sie auch am Faden hängend nach Norden zeigen.

Diese Methode ist jedoch noch unzuverlässiger als die Methode im Wasserbehälter. Bereits kleinste Windstöße können die Ausrichtung der Nadel beeinflussen.

Wie magnetisiere ich die Kompassnadel?

Am besten solltest du die Kompassnadel an einem Magneten magnetisieren. Diese Methode ist am zuverlässigsten. Jedoch besteht hier auch die Gefahr, dass anstatt der Nadelspitze die gesamte Nadel magnetisiert wird.

Kann ich die Nadel durch Reibung an Stoff magnetisieren?

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass eine Nadel durch Reibung an Seide oder anderem Stoff magnetisiert werden kann. Das jedoch ist nicht der Fall.

Wie kann ich die Nadel entmagnetisieren?

Ist die Nadel zu stark magnetisiert, dann kannst du sie leicht wieder entmagnetisieren. Das funktioniert entweder durch Hitze oberhalb der Curie-Temperatur oder durch einige starke Stöße. So kannst du die Nadel z.B. kurz auf den Boden fallen lassen. Dadurch kann die magnetische Wirkung aufgehoben werden.

Welche Alternativen gibt es?

Das Magnetisieren einer Nadel ist nicht besonders zuverlässig, da meist nicht nur die Spitze, sondern die gesamte Nadel magnetisch aufgeladen wird. Als Alternative kannst du eine echte Kompassnadel aus einem gebrauchten Kompass ausbauen. Diese funktioniert dann garantiert einwandfrei. Egal, ob auf dem Schwimmer im Wasser oder alternativ an einem dünnen Faden.

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Mike Lippoldt

Über Mike Lippoldt

Mike Lippoldt wanderte mit dem Fahrrad nach Spanien aus und erschuf sich hier ein neues Leben. Auf Reisen lebte er monatelang Outdoor, erlebte zahlreiche Abenteuer und lernte viel über Survival. Seine Abenteuerlust trieb ihn voran. Er ist Gründer von ousuca® und Begründer des Progressiven Survivaltraining.

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