Getestete Winterübernachtung Ausrüstung für Kälte, Schnee, Gebirge

Biwakieren im Winter bei Kälte

In diesem Artikel geht es nicht um Ausrüstung die du brauchst, wenn du im Winter im Gebirge wanderst und in Hütten schläfst.

Hier geht es um die Winterausrüstung für Touren, bei denen du auf eigene Faust draußen unter freiem Himmel bzw. unter einem von dir errichteten Shelter biwakieren möchtest. Und das bei ungemütlichen Bedingungen wie Kälte, Schnee und Wind.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Grundlagen
  2. Ab wann beginnt ein Gebirge?
  3. Geografie und Wetterbedingungen
  4. Minimal und leicht unterwegs
  5. Der richtige Gebirgsrucksack
  6. Kleidung & Schuhe für Kälte und Schnee
  7. Schlafausrüstung fürs Gebirge
  8. Biwakzelt oder Shelter
  9. Militärisch erprobte Tipps gegen Kälte in der Nacht
  10. Zusammenfassung

Grundlagen

Dafür eignet sich dieser Ratgeber: Im Gebirge herrschen besonders extreme Bedingungen wie Kälte, Schnee, Eis, Wind, Sturm und Wetterschwankungen. Während es tagsüber einigermaßen warm ist, fallen die Temperaturen nach Sonnenuntergang im zweistelligen Bereich. Die hier genannten Tipps eignen sich nicht nur für Gebirgstouren. Wenn du sie anwendest, wirst du auch in Wald und Tieflagen sehr gut vorbereitet und ausgerüstet sein!

Dieser Ratgeber basiert auf Erfahrungen, die ich auf unterschiedlichen Gebirgstouren mit Winterübernachtungen machen durfte. Ich trekkte und übernachtete dabei unter freiem Himmel in den Alpen, in der Sierra de Cazorla (Spanien) und in der Sierra Nevada (Spanien). In der Sierra Nevada war ich bereits mehrmals unterwegs.

Außerdem trekkte ich zwei Wochen durch den Himalaya bis kurz unter das Basecamp der Mount Everest Expeditionen bis auf 5000 m. Bei der Tour durch den Himalaya schliefen wir jedoch nicht draußen sondern in Unterkünften von Einheimischen.

Des Weiteren fließen militärisch erprobte Tipps gegen Kälte ein von Marius Görnandt alias Kutte, der bei der Bundeswehr diente und dort Erfahrungen beim Biwakieren bei – 20 °C sammeln konnte. Er gab mir einige interessante Ratschläge für die Vorbereitungen meiner letzten Gebirgstour im Winter in der Sierra Nevada.

Ab wann beginnt ein Gebirge?

Diese nun folgende Abgrenzung unterliegt keinen allgemeinen Definitionen, sondern orientiert sich vielmehr an logischen Aspekten in Bezug auf die Grundidee zu Trekking mit Übernachtungen in den Bergen und bei Kälte.

Auf einen Hügel zu wandern und dort zu übernachten, ist eine schöne Sache. Um als Gebirge gelten zu können, müssen jedoch mehrere Berge in Form von Bergketten, Gebirgsketten oder Bergformationen zusammenstehen. Das Klettergebiet sollte sich auf mindestens 1000 m befinden und kann bis auf 3000 oder 4000 m reichen.

Geografie und Wetterbedingungen

Die Zusammenstellung der Gebirgsausrüstung für Trekking auf eigene Faust mit Übernachtungen im Freien ist abhängig von Geografie, Jahreszeit und Wetterbedingungen im angepeilten Gebirge.

Bewegst du dich auf Höhen ab 2000 m, dann änderst sich in Bezug auf die Schlafausrüstung für Sommer oder Winter kaum etwas. Auch im Sommer ist es in diesen Höhen nachts kalt und du benötigst warme Kleidung und Schlafausrüstung für winterliche Temperaturen.

Beim Planen einer Tour, checke immer auch die Wetterbedingungen im Wandergebiet. Kalkuliere dabei Schwankungen ein, die im Gebirge auf der Tagesordnung stehen können.

Rüste dich immer für die schlimmsten anzunehmenden klimatischen Bedingungen!

Plane in Bezug auf:

  • Höhenlage des Wandergebiets
  • Länge der Tour
  • Höchste und tiefste Temperaturen (tagsüber und bei Nacht)
  • Niederschlag, Schnee, Regen

Minimal und leicht unterwegs

Bist du mehrere Tage unterwegs und musst viele Kilometer wandern, dann achte darauf, den Rucksack so leicht wie möglich zu halten.

Gerade beim Trekking im Winter ist es unvermeidbar, dass der Rucksack (im Vergleich zu Trekking im Sommer) etwas schwerer ausfällt.

Du brauchst mehr und wärmere Kleidung, besser isolierende Schlafausrüstung und energiereichere Nahrung. Trotzdem sollte das Gesamtgewicht deines Rucksacks die 20 kg nicht überschreiten.

Der richtige Gebirgsrucksack

Beim Gebirgswandern geht es querfeldein, über unebenes Gelände und Geröll. Und das kilometerweit. Ein unbequemer Rucksack bereitet auf solchen Touren schnell Rückenschmerzen. Vor allem auch deshalb, weil ein Trekingrucksack sowieso schon weitaus schwerer ist als ein Rucksack für Tagestouren.

Der Rucksack sollte über verstellbare Schultergurte, einen verstellbaren Hüftgurt und bestenfalls noch über einen verstellbaren Brustgurt verfügen. Am Rücken ist er gepolstert, so dass Ausrüstung nicht in den Rücken drückt.

Ein Trekkingrucksack für Mehrtagestouren sollte ein Volumen von mindestens 70 bis max. 120 Litern aufweisen.

Ob sich ein Rucksack bequem tragen lässt, hängt nicht nur von der Rucksackbeschaffenheit ab, sondern vor allem auch von der richtigen Packweise.

Richtig gepackter Gebirgsrucksack
Ein Gebirgsrucksack muss sich optimal an den Träger justieren lassen und sollte nicht zu schwer sein.

Kaufempfehlungen für Gebirgsrucksäcke:

Stiefel und Kleidung für Kälte und Schnee

Für Wanderungen durch Schnee sind Stiefel empfehlenswerter als Trekkingschuhe. Selbst dann, wenn es sich um knöchelhohe Trekkingschuhe handelt. In Stiefeln hast du einen sicheren Halt und versackst du im Schnee, weicht das robustere Stiefelmaterial nicht durch.

Kaufempfehlung Trekkingstiefel:

In Bezug auf die Kleidung wähle besser viele dünnere Kleidungsstücke, die du übereinander anziehst nach dem Zwiebelprinzip, als wenige dicke.

So sah meine Kleidungsliste aus auf der letzten Wintertour bei Tiefsttemperaturen von – 7 °C:

  • 1 x stabile und winddichte Hose mit vielen Taschen
  • 1 x Thermounterhose für nachts
  • Tagsüber: T-Shirt + langärmeliges Shirt darunter, grober Pullover und bei Bedarf Daunenjacke
  • Nachts: Thermuunterhose unter die grobe Hose, 2 x langärmelige Thermoshirts unter die normale Tageskleidung + 1 x Fleecejacke + 1 x Windjacke und ein paar dicke Socken zusätzlich
  • Socken: Wandersocken + 2 x Wechsel-Wandersocken + 1 x dicke Socken zum Überziehen für nachts
  • Shorts: 1 x die getragenen + 2 x zum Wechseln bei Bedarf

Schlafausrüstung für Winter und Gebirge

Um eine Nacht bei Kälte, Sturm und Schnee gut überstehen zu können, brauchst du:

  • Eine Isomatte mit möglichst hohem R-Wert
  • Einen Winterschlafsack mit für die zu erwartenden Temperaturen angemessenem Isolierschutz im Komfortbereich
  • Einen Biwaksack, den du zusätzlich über den Schlafsack ziehst

Die richtige Isomatte

Der Schutz gegen Kälte von unten ist enorm wichtig. Deshalb solltest du in Bezug auf die Bodenisolierung nicht am falschen Ende an Equipment sparen. Das meine ich jedoch nicht in Bezug auf den Preis, sondern in Bezug auf Packabmessungen und Gewicht.

Meine Isounterlage ist mindestens zweischichtig:

  • 1 x Schaumstoffisomatte
  • 1 x wasserdichte Unterlage

Gemäß meiner Erfahrung sind Schaumstoff-Isomatten zuverlässiger als aufblasbare Isomatten. Auch auf meiner letzten Tour wurde ich hier wieder einmal in meiner Meinung bestärkt.

Die im Vergleich zu meiner einfachen Schaumstoff-Isomatte sündhaft teure aufblasbare Isomatte meines Freundes bekam am zweiten Tag ein Loch. Dieses wurde wohl von einem spitzen Stein verursacht, den er übersehen hatte. Er musste dann die letzte Nacht auf der luftlosen Isomatte schlafen.

Winter Shelter im Gebirge mit Isomatte R Wert 2,5
Eines meiner Wintershelter während der letzten Gebirgstour auf etwa 2500 m. Bei Tiefsttemperaturen von – 7 °C war die Isolierung der Schaumstoff-Isomatte mit einem R-Wert von 2,5 völlig ausreichend. Darunter befindet sich zusätzlich eine wasserabweisende Bodenplane.

Isomatte Kaufenmpfehlungen:

Winterschlafsack

Bei der Auswahl des Winterschlafsack achte vor allem auf eine hohe Isolation im Komfortbereich. Mit einem Winterschlafsack mit einem Komfortbereich von – 15 °C bist du schon sehr gut für Winterübernachtungen ausgerüstet (wenn du nicht gerade in Sibirien im Winter draußen schlafen möchtest oder am Südpol).

Kaufempfehlung:

Biwaksack

Zusätzlich zum Winterschlafsack ist immer auch ein Biwaksack zu empfehlen. Und hiermit meine ich keinen Notfall-Biwaksack, sondern ein etwas hochwertigeres Modell.

Fallen die Temperaturen unerwartet weiter in den Keller oder es gibt Niederschlag oder starken Wind (Wetterphänomene, mit denen im Gebirge immer gerechnet werden musst), so bietet der Biwaksack zusätzlichen Schutz.

Biwaksack Kaufempfehlung:

(Den Ferrino Rider Pro Biwaksack nutze auch ich. Er hat minimale Packmaße und ziehst du ihn über den Schlafsack, so frierst du auch in kalten Nächten nicht.)

Biwakzelt oder Shelter

Hast du einen guten Winterschlafsack und zusätzlich einen Biwaksack, dann kannst du auch im Winter ohne Shelter draußen übernachten.

Um dich zusätzlich vor kaltem Wind oder Niederschlag zu schützen, nimm ein Tarp mit. Gerade im Gebirge kann das Aufspannen des Tarp jedoch anstrengend werden. Über der Baumgrenze musst du erfinderisch sein, um das Tarp windsicher aufbauen zu können.

Möchtest du dir die Arbeit des Tarpaufbau sparen, dann nutze ein Biwakzelt. Das ist weniger cool, dafür aber komfortabel in Bezug auf Aufbau, Abbau und Standsicherheit.

Biwakzelt Kaufempfehlung:

Militärisch erprobte Tipps gegen Kälte in der Nacht

Hier die militärischen Tipps gegen Kälte von Marius Görnandt alias Kutte:

  • Vor dem Schlafen eine warme Mahlzeit essen
  • Baumwollzeltbahnen sind im Winter besser als Zeltbahnen aus modernen, synthetischen Materialien
  • Am besten zu zweit unter einem Zelt schlafen
  • Biwaksack verwenden
  • Mit Mütze schlafen
  • Eine Wärmflasche bereiten vor dem Schlafengehen, z.B. durch das Auffüllen der Trinkflasche mit heißem Wasser oder Tee und die Wärmflasche zwischen die Oberschenkel legen, da hier das Blut zirkuliert und die Wärme ab hier schnell in den restlichen Körper gelangt
  • Isomatte mit hohem R-Wert
  • Dicker Winterschlafsack
  • Wenn es dir kalt ist und vor dem Schlafen Nüsse essen
  • Bei großer Kälte draußen, Schuhe mit in den Biwaksack nehmen
  • Nach dem Aufstehen Frühsport mit freiem Oberkörper, danach ein anderes Kältegefühl

Essen und Kochen

Bei der Mitnahme von Lebensmitteln kann man sich leicht überschätzen. Man packt zu viel ein, schleppt dann unnötig Fressereien durch die Gegend, die anschließend wieder mit nach Hause getragen werden.

Überlege dir vor Aufbruch genau, wieviele Rationen du pro Tag bzw. Nacht benötigst und kalkuliere Tagesmengen anhand vom Kalorienbedarf. Ich handhabe es so, dass ich tagsüber nur kalt esse und abends einmal ein warmes Gericht.

Essen kochen kostet Zeit und im Winter und im Gebirge auch jede Menge Energie. In höheren Lagen schaffst du es nichtmal nach 15 Minuten Vollgas mit dem Kocher, deine Suppe zum Kochen zu bringen. Auch hast du keine Lust, deine Zeit mit dem Zubereiten von Essen zu verbringen.

Meine Tipps für schnelle Ernährung unterwegs bei Tag:

  • Energiereiche und proteinhaltige Powerriegel (gekauft oder selbst gemacht)
  • Brot und Hartwurst oder/und Hartkäse
  • Nüsse, Trockenfrüchte

Warmes Essen vor dem Schlafen:

  • Schnell quellende Nudeln (z.B. nahrhafte Linsennudeln) oder schnell garender Eintopf
  • Nahrhafte Zugaben wie Trockenwurst, Pemmikan, Trockenfleisch
Trinkwassergewinnung im Winter durch Schneeschmelzen im Topf
Um an Trinkwasser zu gelangen, musst du ggf. Schnee schmelzen.

Als Kocher für Winter und Kälte eignen sich Gaskocher (am besten mit Gaskartuschen mit Wintergas und Schraubventil) oder Spirituskocher:

Sonstige Winterausrüstung

Das solltest du außerdem mit dabei haben:

  • Erste-Hilfe-Set mit reichlich Blasenpflaster und Binden
  • Notfall-Biwaksack und ggf. zusätzlich Rettungsdecke
  • Stirnlampe und Ersatzakku
  • Smartphone, Handy
  • Powerbank (für 3 Tage und 2 Nächte sind 20.000 mAh ausreichend)
  • Kleines Messer
  • Toilettenpapier
  • Sonnenbrille und Sonnencreme

Zusammenfassung

Die Ausrüstung für Übernachtungen im Freien im Winter ist immer etwas umfangreicher und somit schwerer als Sommerausrüstung. Hast du vor, mit der Ausrüstung auch kilometerweite Strecken zu marschieren (z.B. durchs Gebirge), dann solltest du jedoch trotzdem auf eine minimale Ausstattung achten.

In Bezug auf Schlafausrüstung bei Winterübernachtungen kommt es vor allem auf entsprechende Kleidung (Mitführen von Thermokleidung) eine gute Bodenisolation (Isomatte), einen Schlafsack mit guten Isoliereigenschaften im Komfortbereich, sowie auf einen zusätzlich mitgeführten und etwas hochwertigeren Biwaksack an.

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