Steinzeitkleber: Herstellung und Verwendung

Kleber aus der Steinzeit

Steinzeitkleber war schon bei den Neandertalern so eine Art Allzweckkleber. Damit wurden Pfeilspitzen an Schäfte von Pfeilen geklebt und Werkzeuge hergestellt.

Das bekannteste Rezept zur Herstellung von primitivem Kleber ist die Gewinnung von Birkenpech bzw. Birkenteer durch Destillation von Birkenrinde.

Es gibt jedoch einfachere Methoden zur Herstellung, die von unseren Vorfahren genutzt wurden und auch heute noch ihren Zweck erfüllen. In diesem Artikel lernst du verschiedene steinzeitlicher Klebemittel und ihre Verwendungen kennen.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Was ist Steinzeitkleber?
  2. Herstellung von Birkenpech, Birkenteer
  3. Einfache Herstellung aus Baumharz, Holzkohle und Tierexkrementen
  4. Aufbewahrung, Mitnahme und Auftragen des Klebers
  5. Welche Anwendungen gibt es für Steinzeitkleber?
  6. Fragen und Antworten
  7. Zusammenfassung

Was ist Steinzeitkleber?

Als Steinzeitkleber wird ein sehr klebestarker Naturkleber bezeichnet, der bereits von unseren Vorfahren in der Steinzeit verwendet wurde.

Dieser Kraftkleber konnte für viel Zwecke eingesetzt werden. Vor allem für die Herstellung von Waffen und Werkzeugen fand er Verwendung. So für das Verbinden von Steinspitzen an Lanzenspitzen oder für das Verkleben von Federn an Pfeilschäften.

Ist von primitivem Kleber die Rede, dann bezieht sich das meist auf Birkenpech. Aufgrund der anspruchsvollen Vorgehensweise bei der Herstellung von Birkenteer kann davon ausgegangen werden, dass auch einfachere Kleber zum Einsatz kamen.

Sehr einfach lassen sich steinzeitliche Klebstoffe aus Baumharz herstellen. Siehe hier zu auch die Anleitungen in meinem Baumharz Ratgeber.

Bevor wir zur einfachen Herstellung von Steinzeitkleber aus Harz kommen, im Anschluss zuerst die Anleitung für die Herstellung von Birkenpech.

Herstellung von Birkenpech, Birkenteer

Vorbereitung und Werkzeuge

Ausgangsmaterialien für die Herstellung:

  • Birkenrinde

Voraussetzungen, Werkzeuge und Hilfsmittel:


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Destillation von Birkenpech

Dauer: Etwa 2 h

Zuerst musst du Birkenrinde sammeln und am besten reichlich davon. Sammle nur die äußere Birkenrinde. Diese ist weiß und dünn und du kannst sie leicht mit der Hand abschälen.

Birkenrinde für die Herstellung von Birkenpech
Zutat für die Herstellung von Birkenpech: Die äußere weiße und dünne Birkenrinde.

Für eine kleine Blechdose voll mit Birkenteer benötigst du etwa zwei mittlere Körbe oder Taschen voll mit Birkenrinde. Gebe die Birkenrinde in den Topf und stopfe sie fest nach unten.

Der Topfdeckel muss ein Loch aufweisen. Hier soll später das destillierte Birkenöl herauslaufen. Manche Topfdeckel haben einen Griff, den du abschrauben kannst und wodurch danach ein Loch an dieser Stelle bleibt. Ein Loch dieser Größe ist ideal. Ist auf diese Weise kein Loch in den Deckel zu bekommen, so bohre eins hinein.

Bereite die Feuerstelle vor. Die Feuerart eines einfachen Rundfeuers ist hierfür ausreichend. Wichtig ist, dass du mittig in der (noch kalten) Feuerstelle ein Loch aushebst, wo das Auffanggefäß für das Birkenöl hineingestellt werden kann.

Vergrabe das Auffanggefäß im Loch, so dass nur die Öffnung oben herausragt. Platziere den Topf mit der Birkenrinde und dem Deckel nach unten über dem Auffanggefäß. Das Loch des Deckels muss genau über dem Gefäß stehen.

Damit die Birkenrinde nicht das Loch und somit den Abfluss des Birkenteers blockiert, lege von innen Steine auf den Deckel um das Loch. Als Alternative kann die Birkenrinde auch mit einem Drahtgeflecht im Topf justiert werden.

Der Deckel muss luftdicht am Topf versiegelt werden. Das erreichst du mit Lehm. Schmiere reichlich davon um die Stelle, wo der Deckel auf dem Topf aufliegt.

Zum Schluss wird Feuerholz rund um den umgedrehten Topf aufgeschichtet und das Feuer entzündet. Lasse das Feuer mindestens eine Stunde brennen.

Herstellung von Birkenkleber aus Birkenteer

Aus einem großen Topf kannst du bei der genannten Durchführung eine zu drei Vierteln gefüllte kleine Blechdose an Birkenteer gewinnen. Das so hergestellte Birkenpech verfestigt sich zwar nach dem Abkühlen, jedoch härtet es nicht aus. Als Kleber wäre es also nicht geeignet.

Um aus dem gewonnenen Birkenteer Birkenkleber (Steinzeitkleber) zu machen, mische fein gemahlene Holzkohle darunter. Der in der Holzkohle enthaltene Kohlenstoff härtet den Birkenkleber nach dem Abkühlen aus.

Um den Birkenkleber nicht nur hart sondern auch geschmeidig zu machen, kannst du einige fein zermahlene Fasern der verbrannten Birkenrinde untermischen.

Das Mischverhältnis:

  • 50 % Birkenteer
  • 25 % zermahlene Holzkohle
  • 25 % fein zermahlene Fasern der verbrannten Birkenrinde
Feuerstelle für die Herstellung von Birkenpech, Steinzeitkleber
Als Feuerstelle für die Herstellung von Birkenpech und Steinzeitkleber eignet sich ein einfaches Rundfeuer.

Erhitzen ohne Kochen zur Entfernung von Restwasser

Um restliches Wasser aus dem Birkenpech zu entfernen, sollte es noch eine weitere Stunde bei schwacher Hitze und unter ständigem Rühren auf der Feuerstelle bleiben. Restwasser kann so verdunsten und der Kleber erhält eine zuverlässigere Konsistenz. Am Ende sollte eine sämige schwarze Masse entstehen.

Aufbewahrung und Wiederverwendung

Im noch warmen Zustand kannst du den aus Birkenpech hergestellten Steinzeitkleber zu kleinen Würsten rollen. Abgekühlt werden diese Würste hart und du kannst sie gut mitnehmen. Um sie wieder als Kleber verwenden zu können, erhitzt du sie nur an einer Stelle und kannst sie dann wie einen Klebestift nutzen.

Einfache Herstellung aus Baumharz, Holzkohle, Tierexkrementen

Eine weitaus einfachere Methode zur Herstellung von Steinzeitkleber funktioniert mit Baumharz von Koniferen (Harz mit Terpentin). Besonders gut eignet sich Baumharz von Kiefern, Fichten, Tannen und Lärchen.

Du findest Harz in der Natur an Baumverletzungen, dort wo der Baum seine Wunden durch den Baumsaft (Harz) verschließt. Sammle das Baumharz ein und stelle Steinzeitkleber daraus her.

Vorbereitung und Werkzeuge

Ausgangsmaterial für die Herstellung:

  • Baumharz von Nadelbäumen

Voraussetzungen, Werkzeuge, Hilfsmittel:

  • Feuerstelle
  • Sammelbehälter oder Beutel für das Sammeln des Harzes
  • Feuerfester Behälter, um das Harz zu schmelzen

Herstellung des steinzeitlichen Harzklebers

Lege das gesammelte Harz in den Behälter und stelle ihn auf die Feuerstelle. Bringe das Baumharz unter ständigem Rühren zum Schmelzen. Entferne dabei Verschmutzungen und Unreinheiten, die sich beim Schmelzen aus dem Harz lösen.

Ist das Harz flüssig, mische fein zermahlene Holzkohle darunter. Dank des Kohlenstoffs in der Holzkohle kann der Harzkleber später aushärten. Nach dem Abkühlen wird mit Holzkohle vermischter Harzkleber steinhart.

Damit der Kleber später nicht so leicht ausbricht und noch etwas Geschmeidigkeit behält, können getrocknete Tierexkremente (als Pulver) von Pflanzenfressern dazu gemischt werden. Die feinen Pflanzenfasern aus dem Tierkot geben dem Harzkleber Elastizität.

Anstelle von Tierkot können auch fein zermahlene Gräser zum Harzkleber gemischt werden.

Das Mischverhältnis:

  • 50 % Baumharz
  • 25 % zermahlene Holzkohle
  • 25 % getrockneter Tierkot von Pflanzenfressern
Steinzeitkleber aus Harz herstellen
Steinzeitlicher Harzkleber lässt sich einfach und schnell aus Baumharz von Nadelbäumen herstellen.

Aufbewahrung, Mitnahme und Auftragen des Klebers

Ein Trick, um den Steinzeitkleber in handliche Kleberwürstchen zu formen, besteht darin den noch heißen und flüssigen Steinzeitkleber in mittig gespaltene dünne Schilfrohre zu füllen.

Nach dem Einfüllen wird auch die andere Schilfhälfte darüber gedrückt. Ist die Klebermasse abgekühlt, können die Schilfrohre aufgebrochen werden. Die entstandenen Würstchen sind nach dem Abkühlen hart und du kannst sie einfach in einer kleinen Blechdose transportieren.

Um den Steinzeitkleber zu verwenden, erhitzt du einfach ein (Wurst)Ende über Kerze oder Feuerzeug. Der so erhitzte und flüssige Steinzeitkleber kann nun durch Drücken und Reiben des Klebestiftes auf die zu klebende Stelle aufgetragen werden.

Welche Anwendungen gibt es für Steinzeitkleber?

Die Anwendungsbereiche für Steinzeitkleber sind vielfältig. Vor allem auch deshalb, weil er einmal hergestellt einfach zu transportieren ist, quasi ewig haltbar bleibt und dann immer wieder gebraucht werden kann.

Einmal hergestellter Steinzeitkleber ist lange haltbar und kann immer wieder verwendet werden.

Sehr gut lassen sich mit Steinzeitkleber Steinspitzen an Waffen oder an Werkzeugen befestigen. Du kannst Federn am Pfeilschaft festkleben oder du fixierst die selbst gedrehte Schnur am improvisierten Angelhaken und formst zusätzlich noch einen Schwimmer.

Verwendungen von Steinzeitkleber Möglichkeiten, Waffen, Werkzeuge,
Verwendungen von Steinzeitkleber.

Fragen und Antworten

Zusammenfassung

Bereits die Neandertaler sollen Steinzeitkleber verwendet haben.

Sprechen wir von Steinzeitkleber, so wird meist zuerst an Birkenpech, Birkenteer bzw. Birkenkleber gedacht. Die Herstellung des Birkenpechs ist jedoch vergleichsweise aufwändig.

Eine einfache Möglichkeit zur Herstellung von Naturkleber funktioniert mit Baumharz. Durch das Erhitzen und die Zugabe von Holzkohle kann primitiver Kleber aushärten.

Hast du schon einmal Steinzeitkleber selbst hergestellt und verwendet?

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