Orientierung beim Wandern und Trekking: Möglichkeiten, Tipps, Tricks

Orientierung

Es existieren verschiedene Möglichkeiten zur Orientierung beim Wandern und Trekking. Jeder kennt Karte und Kompass. Die meisten nutzen heute GPS und Orientierungs-Apps.

Aber was ist, wenn die Orientierung plötzlich verloren geht? Welche Möglichkeiten existieren im Wald, im Gelände, in den Bergen, um auch ohne Orientierungshilfen wie Apps, Karten und Kompass nicht vom Weg abzukommen oder den Weg wiederzufinden?

NICHT DIE ORIENTIERUNG VERLIEREN

Definition

Orientierung ist die Fähigkeit, den eigenen Standort zu bestimmen und anhand dieser Standortbestimmung die richtige Richtung auch in unbekannter Gegend zu finden oder wiederzufinden.

Als es noch keine modernen Orientierungshilfen gab

Orientierung im Himalaya ohne Apps und Kompass

Vor über zwanzig Jahren beimTrekking im Himalaya, als nur wenige Touristen auf den heute überlaufenen Trails unterwegs waren, da hatten wir nur eine allgemeine Karte Nordnepals im Rucksack. Und diese Karte hatten wir auch nur deshalb, weil wir sie von unserm Host in Kathmandu geschenkt bekamen.

Es war eine sehr einfache Karte, die im riesigen Maßstab Nepal abbildete und worauf man geradeso erkennen konnte, wo die befestigten Straßen aufhören und wo nur noch Pfade ins Gebirge führen. Genau an so einer Stelle, wo die letzte Straße auf der Karte endete, begannen wir unseren Trip Richtung Mount Everest Basislager.

Um die zwei Wochen wanderten wir durch den Himalaya und die einzigen Orientierungshilfen während dieses Abenteuers waren eine kaum brauchbare Karte und Unterhaltungen mit Sherpas, denen wir während unseres Trips begegneten.

Wir mussten sehr gut aufpassen, um uns nicht zu verlaufen. Einmal geschah es dann trotzdem. Wir liefen kilometerweit in die falsche Richtung, trafen aber glücklicherweise auf Einheimische, die uns sogar zu sich einluden und uns dann den richtigen Weg wiesen.

Orientierung mit Kompass

Auf späteren Touren durch Europa und vor allem durch Nordspanien nutzte ich hin und wieder den Kompass als Orientierungshilfe.

Wenn du eine Karte besitzt oder eine Karte im Kopf hast, weil du sie zuvor betrachtet hattest, dann ist ein Kompass eine prima Hilfe, um in unbekanntem Gelände nicht von der Richtung abzukommen.

Wie ich mich heute beim Wandern und Trekking orientiere

Mittlerweile nutze ich gerne Trekking-Apps. Trekking-Apps sind vor allem sinnvoll, um bereits im Voraus einen bestimmten Routenverlauf zu planen und dann im Gelände genau dieser Strecke zu folgen.

Trekking-Apps funktionieren über GPS. GPS ortet unabhängig davon, ob ein Mobilfunknetz vorhanden ist oder nicht. Das ist sehr vorteilhaft beim Wandern im Gebirge, wo es oftmals keinen Telefonempfang gibt.

Hätten wir damals im Himalaya bereits eine Trekking-App gehabt, dann hätten wir uns wahrscheinlich nicht verlaufen. Dann hätten wir aber auch die Gastfreundschaft der Nepalesen nicht kennengelernt, die uns zu sich zum Essen einluden.

Wie du siehst, kann auch das Verlaufen positive Erlebnisse mit sich bringen. Auf jeden Fall lernst du aus solchen Erfahrungen und kannst darauf aufbauend in Zukunft noch besser mit ähnlichen Herausforderungen umgehen.

Neben Trekking-Apps setze ich zur Orientierung auch heute noch auf ständige Aufmerksamkeit in Verbindung mit dem Versuch des Ausmachen von Fixpunkten und auf meinen antrainierten Instinkt.

Des Weiteren nutze ich Wegzeichen, wie Steinmännchen und ich setze selber Wegzeichen oder trage dazu bei, sie zu erhalten, um auch anderen die nach nach mir kommen bei ihrer Orientierung im Gelände behilflich zu sein.

Warum ist Orientierung beim Wandern und Trekking wichtig?

Auch auf scheinbar einfachen Routen solltest du versuchen, stets die ungefähre Lage einzuschätzen. Vermeide dabei möglichst, ständig auf die Trekking-App zu sehen und probiere stattdessen, deinen Standpunkt ausschließlich über Fixpunkte in der Natur, über den Sonnenstand und über andere natürlich gegebene Orientierungshilfen auszumachen.

Auf diese Weise schärfst du deine Sinne.

Falls irgendwann einmal beim Trekking und auf unbekannten Routen tatsächlich moderne Orientierungshilfen wie Apps und GPS wegfallen sollten, dann wirst du dir dank dieser antrainierten Basisskills auch in solchen Notsituationen zu helfen wissen und stets einen Weg zurück finden.

Was ist, wenn du plötzlich orientierungslos bist?

Schneller und unerwarteter als du denkst, kannst du selbst auf scheinbar bekanntem Terrain plötzlich orientierungslos im Gelände stehen.

Mir passierte das erst neulich auf dem Rückweg vom Gipfel Mulhacén (3482 m). Den Mulhacén bestieg ich im Zuge einer zweitägigen Trekkingtour. Eine Nacht biwakierte ich unter dem Gipfel auf dem Hochplateau von Siete Lagunas. Am nächsten Morgen dann bestieg ich den Gipfel.

Im Freudentaumel nach dem Gipfelsturm und nach zwei Tagen anstrengender Tour lief ich nun beschwingt und leicht vom Gipfel zurück Richtung Tal. Dabei verlor ich die Orientierung und stand plötzlich weit ab vom eigentlichen Trail, den ich hinaufgestiegen war, viel weiter südlich.

Das Gebiet unterhalb des Gipfels Mulhacén ist karg. Beim Aufstieg von Siete Lagunas ging ich langsam, denn der Aufstieg ist anstrengend. So fiel es leicht, stets mit Blick auf den Gipfel dem kaum erkennbaren Pfad und den Steinmännchen zu folgen.

Beim Abstieg dann lief ich einfach hinunter, ohne mich an den Steinmännchen zu orientieren. Ich lief sehr zügig und da ich es für eine leichte Angelegenheit hielt, wieder hinab nach Siete Lagunas zu gelangen, wo ich mein Biwak zurückgelassen hatte, orientierte ich mich nicht einmal an Fixpunkten zur Bestimmung meines zurückgelassenen Lagerplatzes.

Plötzlich stand ich weit ab vom eigentlichen Weg.

Als ich es bemerkte, war ich bereits viele hundert Meter weiter südlich. Dank meines mitgenommenen kleinen Feldstecher fand ich schnell wichtige Fixpunkte, konnte mich orientieren und querfeldein eine Verbindung zum eigentlichen Aufstiegsweg ausmachen.

Da das Wetter klar war, war diese kurze Orientierungslosigkeit keine große Sache. Bei Nebel oder im Winter kann solch ein Schnitzer jedoch lebensgefährlich werden. Bei Nebel und schlechteren Wetterverhältnissen bin ich zum Glück stets wachsam. Das schöne Wetter hatte mich hier jedoch kurz leichtsinnig werden lassen.

Wenn du im Nebel die Orientierung verlierst, dann solltest du einige wichtige Grundregeln befolgen, um zeitnah zurück zum Weg zu finden.

Was gibt es beim Wandern in Gruppen zu beachten?

Gruppen sollten stets zusammen bleiben:

Einzelne Gruppenmitglieder können weiter vorn oder weiter hinten laufen. Trotzdem sollte immer Sichtkontakt zwischen allen Gruppenmitgliedern vorhanden sein.

In Gruppen ist Rücksicht auf den Schwächsten zu nehmen:

Die schwächsten Mitglieder geben die Schrittgeschwindigkeit der gesamten Gruppe vor. Deshalb ist von vornherein bei der Zusammenstellung von Gruppen darauf zu achten, dass ungefähr bei allen Mitgliedern ähnliche Voraussetzungen an Kondition und Ausdauer vorhanden sind.

Bei Gruppen besteht ein Vorteil darin, dass gleichzeitig mehrere Mitglieder zu einer guten Orientierung während einer Tour beitragen können.

Orientierung im Gelände mit Gruppen.
Orientierung beim Wandern in Gruppen.

Wie funktioniert Orientierung im Wald?

Im Wald kann die Orientierung noch schwieriger sein als im Gebirge. Jedenfalls dann, wenn der Wald über flachem Gelände verläuft und keine Erhöhungen bietet, von denen aus eine Orientierung möglich wäre.

Hast du deine Trekking-App bzw. Wander-App im Wald dabei, dann kannst du relativ leicht die Orientierung zurückgewinnen. Hast du einen Kompass dabei, dann kann auch dieser dir hilfreich sein, die richtige Richtung wiederzufinden.

Hast du weder Wander-App noch Kompass, dann musst du dich auf andere Weise im Wald orientieren.

Orientierungsmöglichkeiten ohne App und Kompass im Wald:

Bächen und Rinnsalen in Fließrichtung folgen:

Bäche und Rinnsale fließen stets Richtung größerer Gewässer. Stößt du im Wald auf ein Rinnsal oder auf einen Bach, dann kannst du dem Gewässer in Fließrichtung folgen. Irgendwann stößt du so auf größere Gewässer und schließlich gelangst du zurück in bewohntes Gebiet.

Nordseite der Bäume als Orientierungshilfe nutzen:

Die bemooste Seite von Bäumen, auch Wetterseite genannt, ist stets die Nordseite. Das liegt daran, weil vom Norden her die wenigste Sonne auf den Baum auftrifft. Deshalb fühlen sich hier Gewächse, die Feuchtigkeit lieben, besonders wohl.

Moose benötigen Feuchtigkeit und wachsen stets auf der Nordseite von Bäumen.

Nutze den Sonnenstand:

Im Osten geht die Sonne auf, im Westen geht sie unter. Das gilt im Wald genauso wie im Gebirge. Wenn du weißt wo Osten und Westen liegt, dann weißt du auch automatisch wo Norden und Süden ist.

Orientierung im Wald.
Orientierungslos im Wald? Keine Panik!

ORIENTIERUNG VERLOREN? KEINE PANIK!

Was ist zu tun, wenn ich die Orientierung verloren habe?

Wenn du unterwegs die Orientierung verloren hast, dann gilt als erstes Gebot: KEINE PANIK!

Bleibe ruhig, ändere vorerst nicht die Position und versuche deinen Standort zu bestimmen.

Das gilt für Orientierungslosigkeit im Gebirge genauso wie für Orientierungslosigkeit im Wald.

Bei Orientierungsverlust folge folgenden Steps:

  1. Bewahre die Ruhe!
  2. Bleibe an Ort und Stelle
  3. Versuche deinen Standort zu bestimmen: Nutze hierzu, Apps, Kompass, Möglichkeiten zur Orientierung ohne Apps

ORIENTIERUNG OHNE APPS, KOMPASS UND KARTEN

Stetige Lageüberprüfung während des Wandern

Damit du nicht erst in eine brenzlige Lage kommst, wo du komplett die Orientierung verloren hast, solltest du bereits unterwegs und regelmäßig versuchen, Fixpunkte auszumachen, dich an zurückgelegte Wege erinnern und stets eine ungefähre Lagebestimmung einzuschätzen.

Lagebestimmung mittels eines Feldstechers

Ein kleiner Feldstecher ist beim Trekking praktisch.

Auf vielen Touren habe ich ein kleines Fernglas dabei. Es ist absolut nützlich für die schnelle Lagebestimmung durch die Ausmachung von Fixpunkten. Und es ist ein wunderbares Instrument für die Beobachtung der Tierwelt.

Ein kleiner Feldstecher für Wandern und Trekking kann einfach am Gürtel mitgeführt, in der Hosentasche verstaut oder im Rucksack mitgenommen werden.

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Orientierungshilfen wie Steinmännchen nutzen

Auf vielen bekannten Routen werden von Wanderern Steinmännchen zur Orientierung genutzt.

Steinmännchen sind Wegmarkierungen von Wanderern für Wanderer. Vor allem an unübersichtlichen Stellen wie Pässen, auf kargen Hochplateaus oder auf schmalen Wanderpfaden durch Wälder sind Steinmännchen oft wie Freunde in der Not.

Folgen von Wildwechseln

Bist du bereits vom Weg abgekommen und bewegst dich abseits, dann kann dich das Folgen eines Wildwechsels in Richtung deines Zieles wieder auf den Weg bringen.

Ich folge dieser Taktik selbst regelmäßig. Dort wo Tiere sich ihren Weg bahnen können, da kannst auch du entlang laufen.

Das Folgen von Wildwechseln ist vor allem nützlich bei Wegfindungen durch Gestrüpp oder auf steilem und felsigem Terrain.

ORIENTIERUNG MIT APPS, KOMPASS UND KARTEN

Orientierungshilfe Wander-, bzw. Trekking-App

Es gibt hunderte Trekking-Apps für iPhone und Android. Welche App du nutzt, bleibt dir überlassen. Wichtig ist jedoch, dass du persönlich gut mit der App zurecht kommst und dass du dich bereits vor dem Start einer Tour ausreichend mit der Funktionsweise der App beschäftigt hast, so dass du unterwegs genau weißt, wie die App funktioniert.

Orientierungshilfe Kompass

Auch heute noch kann ein Kompass als nützlicher Begleiter beim Wandern und Trekking gelten. In jedem Fall ist ein Kompass beim Trekking als Backup nützlich. Nämlich dann, falls durch niedrige Außentemperaturen sämtliche Akkus ausfallen und du über GPS keine Daten mehr abrufen kannst.

Beim Umgang mit dem Kompass kannst du nicht viel falsch machen. Achte jedoch darauf, dass sich keine magnetischen oder Magnetfeld erzeugenden Dinge in unmittelbarer Nähe zur Kompassnadel befinden, die das Resultat verfälschen könnten.

ORIENTIERUNGSLOS BEI ANBRUCH DER NACHT: WAS TUN?

Was tun bei einbrechender Dunkelheit?

Im ungünstigsten Fall kann es vorkommen, dass du die Orientierung bei Anbruch der Nacht verlierst.

Befindest du dich auf unbekanntem und vielleicht sogar gefährlichem Terrain (abschüssige Hänge, unbekanntes Waldgebiet, felsige Gegend), dann solltest du notfalls ein Biwak errichten und die Nacht abwarten, bevor du am nächsten Morgen weitergehst.

Selbst wenn du eine Stirnlampe dabei hast, kann es sein, dass die Akkus nicht die ganze Nacht halten. Auch leuchten selbst die besten Stirnlampen immer nur einen ganz bestimmten Bereich aus.

Die Orientierung in der Nacht nur mit Stirnlampe, und noch dazu auf unbekanntem Terrain, ist somit noch weitaus schwieriger, als wie sie unter optimalen Bedingungen bei Tage sowieso schon ist.

Steps bei Orientierungslosigkeit bei einberechneter Dunkelheit auf unbekanntem Terrain:

  1. Handy bzw. Smartphone auf Sparbetrieb schalten, um Akkustrom für den nächsten Tag bereitzuhalten (für Trekking-App oder Anrufe).
  2. Suchen eines Lagerplatzes für ein improvisiertes Nachtlager solange noch etwas Helligkeit vorhanden ist.
  3. Errichten eines improvisierten Lagerplatzes.
  4. Rettungsdecke (sollte auf jeder Trekkingtour mit dabei sein) kann bei kalten Außentemperaturen zur zusätzlichen Isolation im Notbiwak dienen.
  5. Bei Sonnenaufgang: Wiederaufnahme der Maßnahmen zur Orientierungsgewinnung, Wegfindung und Rückweg.
Orientierung verloren: Notbiwak.
Bricht die Nacht herein, bevor du die Orientierung zurückgewonnen hast, dann errichte ein Notbiwak.

WEITERFÜHRENDE INFOS

Ausführliche Infos zu spezifischen Themen rund um Wandern und Trekking findest du auf unserer Trekking Ressourcen-Seite.

Hast du Fragen, die nicht in diesem Artikel beantwortet wurden, dann melde dich gerne über das Kontaktformular.

 

Wie orientiert du dich beim Wandern und Trekking? Nutzt du Trekking-Apps? Nutzt du Kompass? Was tust du, wenn du doch einmal die Orientierung verloren hast?

Mike Lippoldt

Über den Autor: Mike ist Gründer von ousuca. Nach zahlreichen Reisen wanderte Mike als Jugendlicher mit dem Fahrrad nach Spanien aus und erschuf sich hier von Null an eine neue Existenz. Über seine Abenteuer und den kalten Sprung in ein neues Leben schrieb er ein Buch.

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