10 Tipps für die Orientierung im Wald (ohne Kompass)

Orientierung im Wald

In diesem Artikel geht es nicht darum, wie du mit GPS durch den Wald findest oder dich mittels Karten und Kompass im Gelände orientierst.

Vielmehr geht es um die Frage, wie du dich anhand alternativer Methoden und Waldwissen im Wald orientieren kannst.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Wie ein Trapper oder Indianer
  2. Mach dich bemerkbar
  3. Bestimme deinen Standort
  4. Blicke zurück
  5. Setze Markierungen
  6. Himmelsrichtungen bestimmen mit Sonne
  7. Nutze Tierpfade, Wildwechsel
  8. Tierlosungen einordnen
  9. Folge dem Wasser
  10. Baumrinde und Wetterseite
  11. Orientierung im Wald in der Nacht
  12. Fazit

Orientieren wie ein Trapper oder Indianer

Trapper wurden die Pelzjäger Nordamerikas und Kanadas des 19. Jh. genannt. Sie jagten auf ehemaligem Indianerland und sie stellten den Tieren ähnlich nach, wie es die Indianer schon hunderte von Jahren zuvor praktiziert hatten.

Es gab keine modernen Orientierungshilfen wie Kompass, Karten oder gar GPS. Trotzdem orientierten sich diese Waldmenschen instinktiv und punktgenau.

Ihr geschärfter Orientierungssinn basierte auf überliefertem und antrainiertem Wissen. Sie lasen Fährten, unterschieden Tierlosungen, nutzten Wind und Auffälligkeiten im Gelände.

Möchtest du dich auch nur annähernd wie Naturmenschen früherer Zeiten im Wald orientieren, dann musst du zuerst ein Verständnis für traditionelle Orientierungsmethoden gewinnen.

Traditionelle Orientierungsmethoden:

  1. Fährtenlesen
  2. Tierlosungen unterscheiden
  3. Orientierung nach Windrichtung
  4. Uhrzeit bestimmen ohne Uhr
  5. Orientierung nach der Sonne
  6. Richtung durch Landmarken bestimmen
  7. Orientierung nach Sternen

Mach dich bemerkbar

Nach dem ersten Abschnitt könnte es so aussehen, dass du dich im Wald ganz nach Indianerart lautlos verhalten solltest.

Bist du wie ein Indianer, Trapper oder moderner Jäger auf der Jagd, dann ist das natürlich korrekt. Falls du jedoch nur als Wanderer oder Bushcrafter durch die Wälder streifst, dann solltest du dich den anderen Waldbewohnern gegenüber bemerkbar machen.

Schleichst du lautlos durch die Wälder Kanadas, dann ist es gut möglich, dass du einen Schwarzbären oder einen Grizzlybären aufschreckst. Das möchtest du nicht wirklich tun. Deshalb machst du dich über laute Schritte, Stockschläge, Unterhaltung mit deinem Partner oder eine Bärenglocke bzw. Bärenpfeife bemerkbar.

In deutschen Wäldern gibt es zwar keine Bären, dafür aber Wildschweine. Eine Bache mit ihren Frischlingen im Trichter im Unterholz zu erschrecken, ist ebenfalls keine gute Idee. Und von scharfen Keiler-Hauern möchtest du dir nicht die Hosen aufschlitzen lassen.

Wildschweinrotte: Keiler, Bache und Überläufer
Wildschweinrotte: Keiler, Bache und Überläufer

Aus genannten Gründen lautet die erste Regel im Wald:

Mach die bemerkbar!

(Das bedeutet nicht, dass du schreiend durch den Wald laufen sollst. Störe nicht den Waldfrieden. Es reicht, wenn du dezent auf dich aufmerksam machst.)

Bestimme deinen Standort

Sobald du den Wald betrittst, solltest du damit beginnen, dich zu orientieren. Präge dir auffallende Landmarken ein und merke dir auch, in welcher Richtung sie sich zueinander befinden.

Landmarken sind:

  • markante Felsen und Felsformationen
  • sehr hohe oder auf andere Weise auffallende Bäume
  • Landschaftsformationen wie Täler, Berge, Schluchten
  • künstliche Landmarken wie Schilder, Masten, Straßen, Gebäude

Die Standortbestimmung solltest du während deines gesamten Waldaufenthaltes fortsetzen.

Orientierung im Wald: Nutzung von Landmarken zur Standortbestimmung
Orientierung im Wald: Nutzung von Landmarken zur Standortbestimmung

Blicke zurück

Halte immer wieder an und blicke zurück. Erkennst du Landmarken, die du zuvor schon sehen konntest?

In welcher Position befinden sich die Landmarken in Bezug zum Sichtpunkt, den du bei der ersten Erkennung genutzt hast?

Bist du mitten im Wald und von Bäumen umgeben, dann ist der Blick auf Landmarken nicht gegeben. Hier kannst du dich an markanten Bäumen, Baumgruppen, Art der Bewaldung (Laubbäume oder Nadelbäume), Pfaden, Wildwechseln, Geländebeschaffenheit usw. orientieren.

Setze Markierungen

Möchtest du den gleichen Weg zurückgehen, den du gekommen bist, dann setze Markierungen.

Diese Markierungen sind wie die Brotkrumen von Aschenbrödel. Sie ziehen sich wie eine Kette über deinen Weg, an der du dich auf dem Rückweg wieder zum Ausgangspunkt hangelst.

Möglichkeiten für das Setzen von Markierungen:

  • Steinmännchen
  • umgeknickte Grashalme
  • kratze Markierungen oder Pfeile in den Boden
  • Bauen von Pyramiden aus Ästen, Stämmen
  • dezente Markierungen mit dem Messer in Bäumen

Orientierung nach Sonne: Himmelsrichtungen bestimmen

Grob gesagt geht die Sonne im Osten auf und im Westen unter. Auf der nördlichen Halbkugel steht sie den ganzen Tag über immer leicht südlich am Himmel.

Zur Winterzeit wandert die Sonne weiter südlich. Während der Sommerzeit wandert sie weiter nördlich.

Mit diesem Basiswissen kannst du dich schonmal ganz gut nach den Himmelsrichtungen im Wald orientieren. Denn die Sonne scheint auch im dichtesten Wald irgendwo durch die Bäume. Voraussetzung ist allerdings, dass du die Uhrzeit einigermaßen abschätzt.

So weißt du, wo nachmittags Westen liegt und vormittags Osten. Daraus ableitend kannst du auch alle anderen Himmelsrichtungen bestimmen.

Siehe hierzu auch: Orientierung nach Sonne

Orientierung im Wald nach Sonne
Orientierung im Wald nach Sonne

Nutze Tierpfade, Wildwechsel

Auch Waldtiere haben keine Lust, sich auf ihren Streifzügen durch den Wald das Fell im dichten Gestrüpp aufzukratzen. Sie nutzen Wildwechsel, auf denen sie sich schnell zu Wasserquellen oder Futterstellen fortbewegen können.

Diese Wildwechsel werden von allen Waldtieren gleichermaßen verwendet und so können einige Wildwechsel durch den ständigen Wildverkehr wie von Menschen getretene Pfade anmuten.

Hast du dich verlaufen, so kannst du Wildpfade nutzen, um darauf schneller voranzukommen.

Oft führen Wildwechsel zudem an Wasserquellen. Hast du selbst keine Wasserreserven mehr und bist auf alternative Möglichkeiten zum Wasser finden oder zur Wasseraufbereitung angewiesen, dann folge dem Wild.

Orientierung im Wald anhand von Wildwechseln
Wildwechsel sind Pfade, auf denen sich Waldtiere fortbewegen

Tierlosungen einordnen

Mein Interesse dafür, auch Tierlosungen unterscheiden zu können, begann, als ich in den Rocky Mountains einen Bärenhaufen im Wald erkannte. Das war nicht einfach ein Haufen Scheiße. Hier war kurz vor mir ein Schwarzbär vorbeigelaufen und ich war auf seiner Spur!

Den Schwarzbär durften wir am Abend dann noch live erleben, als er vor unserem Campingtruck entlang trabte. Er war riesig und ich war froh, nun nicht mehr im Wald zu sein, sondern ihn aus sicherer Distanz aus dem Auto heraus betrachten zu dürfen.

In deutschen Wäldern findest du keine Bärenhaufen. Jedoch kannst du hier Losungen von Wildschweinen, Füchsen, Rehen und anderen Wildtieren unterscheiden lernen.

Anhand der Losungen weißt du, welche Tiere an bestimmten Abschnitten unterwegs sind.

Sieht die Losung frisch oder älter aus? Die Tierlosung kann dich auf Wildwechsel führen und dir auf diese Weise helfen, die Orientierung im Wald zurückzuerlangen (falls du dich verlaufen hast).

Orientierung im Wald an Tierlosungen
Orientierung im Wald an Tierlosungen. Links: Bärenhaufen (Schwarzbär) / Rechts: Wildschweinlosung

Folge dem Wasser

In den meisten Wäldern gibt es Rinnsale oder Bäche. Das Wasser aus diesen Fließgewässern fließt immer talwärts.

Folgst du dem Gewässer entgegen der Fließrichtung, so näherst du dich der Quelle. Handelt es sich um einen größeren Bach, dann ist es gut möglich, dass sich irgendwo entlang des Wasserlaufes Gebäude und somit auch Menschen befinden.

Sehr kleine Rinnsale können talwärts in größere Gewässer münden, wo dann meistens auch menschliche Ansiedlungen sind.

Hast du dich im Wald verlaufen, dann ist es in jedem Fall gut, dem Wasser zu folgen. So musst du dir um Wasserknappheit keine Sorgen machen. Denn du solltest bedenken, dass du ohne Wasser nur wenige Tage überlebst.

Orientierung im Wald: dem Wasser folgen
Folge dem Wasser

Baumrinde und Wetterseite

In Nordeuropa liegt die Hauptwetterseite im Nordwesten. Bäume sind auf dieser Seite oft mit Moos bewachsen oder die Baumrinde hat einen deutlich grüneren Farbton.

Sieh dir Bäume und Baumrinden genauer an. Gibt es Auffälligkeiten? Erkennst du die Wetterseite an der Baumrinde, so kannst du die Himmelsrichtungen einigermaßen bestimmen.

Orientierung im Wald in der Nacht

Hast du dich im Wald verirrt und es wird Nacht, dann suche dir noch vor Einbruch der Dunkelheit eine Lagerstelle. Nachts kannst du dich leicht verletzten, wenn du ziellos durch den Wald irrst.

Gefahren:

  • Abstürzen an Abhängen
  • an hervorstehenden Ästen verletzen (im schlimmsten Fall, indem du dir einen Ast ins Auge rammst)
  • Umknicken oder Brechen eines Fußes, durch Steine, Löcher
  • da du weniger siehst als bei Tag, verläufst du dich nur noch mehr

Lässt es sich aus irgendeinem Grund nicht vermeiden auch nachts weiterzugehen, dann orientiere dich an Sternen und Mond.

Schaust du Richtung Norden, suche den Großen Wagen. Anhand des Großen Wagen (auch Großer Bär genannt) kannst du den Nordstern ermitteln und weißt, wo Norden liegt.

Fazit

Um dich bestmöglich im Wald orientieren zu können, musst du mit allen Sinnen arbeiten. Mache es wie die Indianer oder Trapper, nutze alternative Methoden zur Orientierung (Sonne, Wind, Wasser) und orientiere dich auch an den Wildtieren.

Die Waldtiere kennen sich naturgemäß am besten im Wald aus. Folge ihren Pfaden zum Wasser und finde den Weg entlang des Wassers hinaus aus dem Wald.

Lesetipp: 10 Methoden zur Orientierung im Gelände

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