Vitalzeichen Kontrolle: So überprüfst du die Lebenszeichen

Vitalzeichen bei Verletzten überprüfen

Als Vitalzeichen werden biologische Merkmale verstanden, die Auskunft über körperliche Funktionen und den Gesundheitszustand eines Menschen (oder eines Tieres) geben können.

Hier erfährst du, wie Vitalzeichenkontrolle auch ohne medizinische Geräte funktioniert. Dieses Wissen lässt sich auf Situationen anwenden, in denen du Erste Hilfe leisten musst.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Definition: Was sind Vitalzeichen?
  2. Was sind Vitalparameter?
  3. Wann kommt die Vitalzeichenkontrolle zur Anwendung?
  4. So bestimmst du die Vitalzeichen ohne Messgeräte
  5. Erste Schritte nach der Vitalzeichenkontrolle
  6. FAQ: Fragen und Antworten
  7. Zusammenfassung

Definition: Was sind Vitalzeichen?

  • Vitalzeichen Wortabstammung: Aus dem Lateinischen „Vita“ – Leben
  • Synonyme für Vitalzeichen: Lebenszeichen, Vitalfunktionen, Lebensfunktionen

Vitalzeichen sind die wichtigsten Lebensfunktionen eines Organismus, die von außen wahrgenommen werden können.

Die grundlegenden Vitalzeichen sind:

  1. Atmung
  2. Bewusstsein
  3. Körpertemperatur
  4. Puls
  5. Blutdruck
  6. Sauerstoffgehalt im Blut

Was sind Vitalparameter?

Vitalzeichen können durch eine andere Person wahrgenommen werden und sie sind messbar. Bei Messungen der Vitalfunktionen werden die Vitalparameter bestimmt.

Tabelle der wichtigsten Vitalparameter

VitalparameterDurchschnittlicher Wert / Gesunde Person
Atemfrequenz12 – 18 / min (Erwachsene)
Herzfrequenz60 – 80 bpm / min
Blutdruck120 / 80 mmHg
Körpertemperatur36,6 °C
Sauertsoffsättigung im Blut98 – 100 %
Blutzucker60 – 80 mg / dl

Wann kommt die Vitalzeichenkontrolle zur Anwendung?

Stationäre Anwendung der Vitalzeichenkontrolle durch Messgeräte

Stationär wird die Vitalzeichenkontrolle in Krankenhäusern, Altenheimen oder Pflegeheimen eingesetzt, um die wichtigsten Lebensparameter der Patienten zu messen und zu kontrollieren.

Messgeräte hierfür sind z.B. das EKG (Messung der Herzfrequenz) oder das EEG (Messung der Gehirnströme).

Warst du schon einmal im Krankenhaus, weißt du dass dort mindestens einmal täglich die Visite durchgeführt wird.

Während (fast) jeder Visite kommt das einfachste Messgerät zur Vitalzeichenkontrolle zum Einsatz: Das Thermometer.

Durch die Kontrolle der Vitalzeichen können Veränderungen des Gesundheitszustandes sofort bemerkt werden. Das ermöglicht ein zeitnahes Abwägen von Maßnahmen und ein schnelles Eingreifen, falls gravierende Veränderungen auftreten sollten.

Anwendung der Vitalzeichenkontrolle in der Ersten Hilfe

Bei Verkehrsunfällen wird bei Verletzten meist zuerst die Kontrolle der Vitalzeichen durchgeführt. Jedenfalls dann, wenn nicht zuerst andere lebensrettende oder lebenserhaltende Maßnahmen durchgeführt werden müssen wie z.B. eine Herz-Lungen-Wiederbelebung oder die Stoppung und Behandlung von Blutungen.

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Anwendungsmöglichkeiten in der Ersten Hilfe:

  • Verkehrsunfälle
  • Hausunfälle
  • Arbeitsunfälle
  • Kletterunfälle
  • Bergrettungen
  • Grubenunglücke

So bestimmst du die Vitalzeichen ohne Messgeräte

Vitalzeichenkontrolle Anleitung
Präge dir die wichtigsten Vitalzeichen ein und lerne, sie ohne medizinische Messgeräte zu testen.

In Krankenhäusern und in der Pflege stehen allerlei Messgeräte für die Messung von Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Sauerstoffgehalt im Blut oder Blutzuckerspiegel bereit.

Ob ein Mensch im Sterben liegt, wird durch Messgeräte z.B. über den Sauerstoffgehalt im Blut festgestellt. Sinkt der Sauerstoffgehalt auf die Marke von 96 % und darunter, dann ist das bei alten Menschen im Sterbebett ein Indiz dafür, dass der Sterbeprozess begonnen hat.

Outdoor hast du keine Messgeräte für die Vitalzeichenkontrolle, wie sie in Krankenhäusern verwendet werden. Hier musst du erfinderisch sein.

Schnelle Vitalzeichenkontrolle (ohne Hilfsmittel) Schnellüberblick:

  1. Stelle fest, ob ein Mensch atmet
  2. Überprüfe das Bewusstsein eines Verletzten
  3. Erfühle die Körpertemperatur
  4. Fühle den Puls
  5. Teste das Schmerzempfinden
  6. Überprüfung motorischer Fähigkeiten

#1 Stelle fest, ob ein Mensch atmet

Die Feststellung der Funktion der Atmung ist die erste Kontrolle der Vitalzeichen. Hierüber stellst du fest, dass der/die Verletzte am Leben ist. Hat die Atmung ausgesetzt, wird sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen.

Nach der Geburt meiner Tochter wurde ich zum Meister im Feststellen der Atmung. Bei Säuglingen ist diese kaum wahrnehmbar.

Säuglinge atmen auch nicht durch den Mund, sondern ausschließlich durch die Nase. Deshalb muss die Atmung durch die Nase bei Säuglingen in jedem Moment garantiert sein.

Bei Erwachsenen kann die Atmung über Nase und Mund gleichermaßen festgestellt werden.

Diese Möglichkeiten zur Feststellung der Atmung gibt es:

  • Halte einen Finger vor die Nase und erspüre, ob sich die Atmung wahrnehmen lässt.
  • Spürst du nichts, befeuchte den Finger. So lassen sich auch kleinste Luftzüge leichter wahrnehmen.
  • Halte einen Spiegel vor Mund und Nase. Beschlägt er, funktioniert auch die Atmung.
  • Achte auf den Brustkorb. Hebt und senkt er sich, funktioniert die Atmung.
  • Lässt sich durch die reine Beobachtung des Brustkorbs keine Atembewegung feststellen, lege deine Hand darauf. Spürst du, wie er sich hebt und senkt?

Im Falle, dass keine Atmung festzustellen ist, führe eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durch.

#2 Überprüfe das Bewusstsein eines Verletzten

Durch die Bewusstseinskontrolle wird festgestellt, ob oder inwieweit bei Verletzten die geistigen Fähigkeiten beeinträchtigt sind (oder nicht).

Auch wenn der Atemimpuls funktioniert, kann beim Verletzten das Bewusstsein ausgefallen oder gestört sein.

Wer schon einmal bei einem Unfall dabei war oder selbst einen hatte, kennt die Prozedur des Rettungssanitäters. Dieser fragt im Zuge der Überprüfung des Bewusstseins Verletzte zuerst nach Namen und Geburtsdatum.

Diese Möglichkeiten zur Bewusstseinskontrolle gibt es:

  • Frage Verletzte nach eigenem Namen, Geburtsdatum.
  • Erfrage Namen naher Verwandter wie Ehepartner(in), Freund(in), Mutter, Vater.
  • Frage, welcher Wochentag heute ist.
  • Erfrage, in welchem Jahr wir leben.
  • Befrage den Verletzten, wie er/sie den Unfall erlebte, wie es zum Unfall kam.
  • Frage nach dem Wohnort und der Adresse.

Die erfragten Daten während der Bewusstseinskontrolle dienen gleichzeitig zur Identifizierung von Verletzten und zur Kontaktaufnahme mit nahen Verwandten.

#3 Erfühle die Körpertemperatur

Manche Verletzungen können Fieber auslösen, welches unbehandelt weitere Komplikationen mit sich bringen kann. Deshalb ist auch die Überprüfung der Körpertemperatur von Wichtigkeit.

Bei einem Reitunfall fiel ich einmal vom Pferd und anschließend fiel das Pferd zu allem Übel auch noch auf mich. In diesem Moment dachte ich, dass ich sterbe.

Nach dem Reitunfall saß ich minutenlang da und rang nach Atem. Einige Stunden nach dem Unfall stieg meine Körpertemperatur und ich bekam Fieber. Auch Wochen nach dem Unfall konnte ich noch nicht wieder richtig laufen.

Nicht nur nach Unfällen kann Fieber auftreten. Auch durch Vergiftungen und natürlich durch Bakterien und Viren kann es zu Fieber kommen. Bist du draußen auf dich gestellt, muss Fieber vermieden werden.

Falls sich die Temperatur doch erhöht, dann sind Gegenmaßnahmen einzuleiten (fiebersenkende Mittel aus dem Erste-Hilfe-Set, schnelle Rückkehr, Rettungsmaßnahmen, im Notfall und bei hoher Temperatur Senkung des Fiebers durch kalte Umschläge).

Diese Möglichkeiten zum Erfühlen der Körpertemperatur gibt es:

(Wenn du kein Thermometer zur Messung des Fiebers hast.)

  • Handauflegen auf Stirn und Schläfen.
  • Erfühlen der Körpertemperatur durch Auflegen von Mund (Lippen) auf Stirn und Schläfen.
  • Vergleich deiner eigenen Körpertemperatur mit der Körpertemperatur der anderen Person (durch abwechselndes Händeauflegen auf Stirn und Schläfen).

Beachtung weiterer Körpersymptome:

  • Bei steigender Körpertemperatur beginnen Menschen zu frieren.
  • Sinkt die Körpertemperatur wieder, beginnen Menschen zu schwitzen.

#4 Fühle den Puls

Eine Herzfrequenz von 60 bis 100 Schlägen pro Minute gilt als normal. Werden weniger als 60 Pulsschläge pro Minute gezählt, kann die Herzfrequenz als schwach angesehen werden.

Ein besonders schwacher Puls kann verschiedene Ursachen haben wie Herzschädigungen, Schilddrüsenerkrankungen oder Herzmuskelstörungen.

Beim Erfühlen des Pulses im Zuge der Kontrolle der Vitalzeichen geht es vor allem darum, festzustellen, dass der Puls überhaupt schlägt. Auch wenn der Puls nur schwach wahrnehmbar ist, so ist der/die Verletzte immerhin am Leben.

So testest du den Pulsschlag:

  1. Greife das untere Handgelenk zwischen Daumen und Zeigefinger.
  2. Zähle die Pulsschläge über ein bis zwei Minuten.
  3. Ist der Pulsschlag in Ordnung, solltest du mindestens 60 Pulsschläge pro Minute zählen (jede Sekunde ein Pulsschlag).

Der Blutdruck kann ohne Messgeräte (Blutdruckmesser) nicht gemessen werden. In der Ersten Hilfe ohne Messgeräte wird zur Überprüfung der Blutzirkulation nur der Puls überprüft.

#5 Teste das Schmerzempfinden

Durch den Test des Schmerzempfindens kannst du z.B. Erfrierungen oder durch fehlende Blutzirkulation taube Körperstellen identifizieren.

Der Test des Schmerzempfindens gehört im eigentlichen Sinne nicht zur Kontrolle der Vitalzeichen. Outdoor und auf dich gestellt kann dieser Vitaltest in bestimmten Situationen trotzdem wichtig werden.

Ein Beispiel für die Anwendung ist, wenn beim Klettern ein Körperteil in einer Felsspalte eingeklemmt wurde.

Fehlendes Schmerzempfinden kann darauf hindeuten, dass die Blutzirkulation unterbrochen oder Nerven eingeklemmt oder durchtrennt wurden.

So überprüfst du das Schmerzempfinden:

  • Zwicke in die Haut betroffener Körperstellen.
  • Kitzele betroffene Körperstellen.
  • Pikse mit einer Nadel in betroffene Körperstellen.
  • Halte die Flamme eines Feuerzeugs an betroffene Körperstellen (ohne diese Körperstellen dabei zu verbrennen).

#6 Überprüfung motorischer Fähigkeiten

Die Einschätzung der motorischen Fähigkeiten kann darüber entscheiden, ob der/die Verletzte allein weitergehen kann oder Begleitung benötigt.

Bei den motorischen Fähigkeiten wird zwischen grobmotorischen und feinmotorischen Fähigkeiten unterschieden.

Grobmotorische Fähigkeiten sind z.B. Laufen und Springen.

Feinmotorische Fähigkeiten sind Schreiben, das Binden einer Schleife oder das Öffnen und Schließen von Knöpfen.

Wurden die motorischen Fähigkeiten durch einen Unfall beeinträchtigt, kann das auf neurologische oder muskuläre Verletzungen bzw. Einschränkungen hindeuten.

So überprüfst du die motorischen Fähigkeiten:

  • Lasse die Person den Finger einer Hand zur Nase führen.
  • Trifft die Fingerspitze zur Nase, wird die Übung mit beiden (ausgestreckten) Armen wiederholt.
  • Die betroffene Person soll mit geschlossenen (verbundenen) Augen über mehrere Meter geradeaus laufen.
  • Stehend auf einem Bein und für 20 Sekunden das Gleichgewicht halten.

Erste Schritte nach der Vitalzeichenkontrolle

Nach der Kontrolle der Vitalzeichen kann eingeschätzt werden:

  1. ob der/die Verletzte weitere Hilfe benötigt oder auf sich selbst gestellt weitergehen kann.
  2. welche Hilfe eine Person im Falle einer schwereren Beeinträchtigung benötigt.
  3. was für weitere Schritte eingeleitet werden müssen.

Auch wenn nach einem Unfall der/die Verletzte alle Kontrollen der Vitalzeichen mit Bravour besteht, sollte der/die Verletzte weiter im Auge behalten werden. Selbst dann, wenn der/die Verletzte auf sich selbst gestellt weitergehen kann (siehe vorangegangener Punkt 1).

FAQ: Fragen und Antworten

Zusammenfassung

Vitalzeichen sind Lebenszeichen, die darüber Auskunft geben, ob Verletzte am Leben sind, sich in Lebensgefahr befinden oder inwieweit Lebensfunktionen beeinträchtigt wurden.

Von medizinischen Fachkräften, Notdiensten und in stationären medizinischen Einrichtungen werden Vitalzeichen durch Messgeräte überprüft.

Bist du Outdoor, hast du keine Messgeräte und bist in Sachen Erste Hilfe meist auf dich und deine Fähigkeiten gestellt.

Neben den 5 grundlegenden Vitalzeichen (Atemfrequenz, Puls, Blutdruck, Körpertemperatur und Bewusstsein) kann es in bestimmten Situationen sinnvoll sein, außerdem das Schmerzempfinden und die motorischen Fähigkeiten von Verletzten zu testen.

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