Seesack selber nähen aus robuster Militärplane (Anleitung)

Links der Segelstoff und rechts der fertig genähte Seesack

Das Wichtigste in Kürze

Warum: Männer haben keine Zeit für langes Sortieren. Deshalb sind Seesäcke bei ihnen besonders beliebt. Ein Mann braucht einen Seesack.

Schnelles Packen: Alles in den Seesack reinschmeißen, zuschnüren und schon ist er gepackt.

Volumen: Im Vergleich zu Rucksäcken, Taschen, Bags bieten Seesäcke das größte Volumen.

Anpassbar: Ein Seesack ist immer nur so groß wie sein Inhalt. Packst du ihn weniger voll, ist der geschulterte Seesack auch kleiner.

Matrosenseesäcke: Wie sie Popeye verwendete, gibt es entweder nur als nutzlose Attrappe oder überhaupt nicht zu kaufen. Willst du einen robusten Matrosenseesack aus Leinentuch, musst du ihn selbst herstellen!

Inhaltsverzeichnis:

  1. Warum möchte ich einen Seesack nähen?
  2. Wie soll der selbst genähte Seesack beschaffen sein?
  3. Material vorbereiten und Teile für die Fertigung
  4. Die richtige Naht beim Seesack nähen
  5. So sieht der fertige Seesack aus
  6. Anpassungen während der Herstellung
  7. Wichtig: Stabile und passgenaue Aufhängungen
  8. Soviel kostet das selber Nähen eines Seesacks
  9. Updates zur Verwendung
  10. Fazit

Warum möchte ich einen Seesack nähen?

Ich liebe Seesäcke. Leider gibt es den Seesack, so wie ich ihn gerne haben möchte, nicht zu kaufen.

Also habe ich beschlossen, mir einen Seesack nach meinem Geschmack selbst zu nähen. Und zwar in 100% Handarbeit und aus einer Militärplane aus Leinen.

Online findet man eine ganze Menge Anleitungen zum Seesack nähen. Die meisten Tutorials zielen jedoch auf modische Beutelchen ab, die Frauen zum Einkaufsbummel oder zur Aufbewahrung ihrer Utensilien dienen sollen.

Sicher haben auch diese Seesäcke ihre Daseinsberechtigung. Nur für mich persönlich sind sie uninteressant.

Da ich kein passendes Online-Tutorial zum Nähen eines Seesacks fand, erfand ich meine eigene Vorgehensweise.

Ich besorgte mein Wunschmaterial (Militärplane), kreierte einen Schnitt und nähte die Teile zusammen.

Wie soll der selbst genähte Seesack beschaffen sein?

Ich möchte einen richtig großen Seesack aus robusten Materialien herstellen, worin ich notfalls sogar meine Freundin transportieren kann …

Ok, das ist vielleicht etwas übertrieben, aber hinsichtlich der Größenordnung und der Robustheit haut das schon so hin.

In Gedanken sehe ich einen Seesack, wie ihn Matrosen vor hundert Jahren tatsächlich benutzten, um ihre Habseligkeiten an Bord eines Seglers zu bringen, der kurz davor steht, ins unbekannte Abenteuer aufzubrechen.

Solche Matrosenseesäcke waren üblicherweise aus robustem Segelleinen genäht. Ähnliches Material also, wie auch ich verwenden möchte.

Der verwendete Stoff ist extrem strapazierfähig und durch Mehrfachnähte robust zum Seesack zusammengenäht.

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Material vorbereiten und Teile für die Fertigung

Das Wichtigste: Der Sackstoff aus Leinen (robuste Militärplane)

Hinsichtlich der Auswahl des passenden Sackmaterials musste ich nicht lange überlegen.

Seit über 20 Jahren leistet mir eine Militärplane aus NVA-Beständen hervorragende Dienste. Da mir diese Plane sehr ans Herz gewachsen ist, wollte ich sie nicht als Seesack verbauen.

Der robuste Zeltstoff meiner alten Militärplane dient mir weiterhin als Tarp, Unterlage, Sonnenschutz, etc.

Also bestellte ich mir über Amazon eine neue Ein-Strich-Kein-Strich NVA-Plane aus Restbeständen. Hierbei handelt es sich exakt um das gleiche Modell wie meine altgediente Militärzeltbahn.

Auch die neu gekaufte Militärplane hat bereits über 30 Jahre auf dem Buckel.

Da sie nie zum Einsatz kam, ist sie allerdings immer noch wie neu. Und im Gegensatz zu meiner altgedienten NVA-Plane ist sie sogar noch richtig dunkelgrün.

Meine neue NVA Militärplane-Zeltplane bestellte ich über Amazon.

Weiteres Material: Tragriemen, Ösen, zusätzlicher Stoff, Nähzeug, etc.

Warum ich den Sack mit der Hand nähe: Der Seesack wird ausschließlich mit der Hand genäht. Ich benutze also keine Hilfe in Form einer Nähmaschine.

Eine Nähmaschine würde den Arbeitsprozess deutlich beschleunigen und vereinfachen. Jedoch möchte ich den Seesack in echter Oldschool-Manier in Handarbeit herstellen. Sicher keine einfache Aufgabe, aber den Spaß ist es wert.

Als Nähzeug verwende ich einfache Nähnadeln und sehr starkes Nähgarn in grüner Farbe. Geht die Nadel an dicken Stellen besonders schwer durch den Stoff, dann nehme ich eine Zange zur Hilfe (Im Laufe der Arbeit am Seesack zerbrach ich insgesamt 3 Nähnadeln).

Übrigens: Auch in meiner Survival-Ausrüstung führe ich immer mindestens eine Nadel und etwas robustes Nähgarn mit. Schon sehr oft konnte ich so unterwegs Ausrüstung und Kleidung flicken.

Seesack nähen Nähzeug und Materialien
Materialien und Werkzeuge für das Seesack nähen: Militärplane (NVA Plane aus Restbeständen Ein Strich / Kein Strich), weiterer robuster Stoff im Military-Look, Kletterseil, Kletterösen, Nähzeug, Schere.

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Hilfswerkzeuge: Neben dem Nähzeug und der Zange waren Stecknadeln hilfreich. Mit diesen steckte ich die spätere Sackform zusammen.

Beim Vernähen blieb dank der Stecknadeln alles an seinem Platz und nichts verrutschte. Eine Schere darf natürlich auch nicht fehlen.

Tragriemen aus Kletterseil: Für die Tragriemen habe ich dickes und 4 Meter langes Kletterseil gekauft.

Das Tragseil zerschnitt ich dann zu Hause in zwei Teile. Ein Teil dient als Tragseil der andere Teil ist für den Schließmechanismus gedacht.

Der Sack soll über eine Kordel durch Ösen verschlossen und geöffnet werden.

⇒ Wichtig: Beim Zertrennen vom Kletterseil darauf achten, die Enden nach dem Zerschneiden mittels eines Feuerzeug oder einer Kerze abzubrennen, damit sie nicht auftrudeln können.

Ösen und Karabiner: Die Seesacköffnung soll über Rundösen (AMZ) und Kordel funktionieren. Hierzu ließ ich einige Rundösen (AMZ) von einem Sattler aus unserem Viertel in den Seesack einstanzen. Ösen und Ösenzangen findest du Online oder in manchen Kramläden.

Als Befestigungsringe für die Tragriemen habe ich 2 kleine und einen großen Bergsteiger-Karabiner Schraubkarabiner (AMZ) gekauft. Diese sind so robust, dass du dich daran abseilen kannst.

Zusätzlicher Stoff: Damit der Sack am Ende durchgehend im coolen Military-Style glänzt, zerschneide ich für zusätzliche Stoffaufwendungen und Verstärkungen einen alten Canvas-Rucksack.

Die richtige Naht beim Seesack nähen

Eine von Hand genähte Naht kann noch stabiler sein als eine Naht, die mit der Maschine genäht wurde.

Wichtig ist, dass du dich für richtig stabiles Nähgarn entscheidest.

Verwende für das Nähen stabiles Nähgarn.

Tipps für eine stabile Naht

Beim Nähen wirst du merken, dass du, wenn du richtig sauber arbeiten willst, nur langsam vorankommst.

Trotzdem solltest du dir angewöhnen, gleich von Anfang an sauber zu arbeiten. Schließlich wird es dein Seesack und du möchtest ihn weitervererben!

Seesack nähen aus Canvas
Eine von Hand genähte Naht kann noch stabiler sein als eine Maschinennaht. Im Bild: Der eingenähte Boden mit doppelter Naht. Den Boden fest und sauber einzunähen dauerte mehrere Tage. Als Bodenmaterial schnitt ich ein Stück Canvas-Stoff aus einem alten Militärrucksack.

Nähe doppelte Nähte!

So sieht der fertige Seesack aus

So sieht der selbst genähte Seesack aus
Der Boden ist eingenäht und der Seesack ist fast fertig hergestellt.

Bin ich mit dem Ergebnis zufrieden?

Der Seesack ist besser geworden, als ich ihn mir am Anfang der Arbeiten vorstellte. Er ist groß, geräumig und zuverlässig stabil.

Auch der Tragekomfort ist nicht zu übel, wenn man bedenkt, dass die Trageriemen nur aus umgepolstertem Kletterseil bestehen.

Anpassungen während der Herstellung

Kürzung der ursprünglichen Materiallänge

Meine ursprüngliche Idee war, dass ich nichts vom Planenmaterial kürzen und den Seesack sozusagen aus einem Stück nähen wollte.

Während der Arbeit am Seesack musste ich aber einsehen, dass diese Idee unsinnig ist. Denn tatsächlich hätte ich die überschüssige Plane, welche bei Nichtverwendung in den Sack gestopft wäre, zu 99,9% der Zeit sinnlos mit mir herumgeschleppt.

Denn wann braucht man wirklich mal einen 2 Meter Seesack?

Ich kürzte also die Plane und auch so ist das Seesackvolumen noch beachtlich groß.

Verwurf meiner ursprünglichen Idee der Kunststoffschnallen als Verschlusssystem

Eine andere Ausgangsidee war, dass ich Kunststoffschnallen als Schließsystem anbringen wollte.

Während dem Nähen am Seesack sah ich jedoch ein, dass Kunststoff nicht zum Raw-Look bzw. Oldschool-Look des Seesacks passen.

So verwarf ich diese Idee und ließ mir vom Sattler 10 Metallösen für den Verschluss einstanzen.

Oldschool-Verschlusssystem mit Metallösen vom Sattler

Vom Sattler ließ ich 10 Metallösen um den oberen Rand einstanzen, welche nun in Verbindung mit einem Kletterteil als Verschlusssystem funktionieren.

Pro Öse bezahlte ich einen Euro. Also zehn Euro insgesamt. Die Lösung sieht sehr sauber und professionell aus und ich bin zufrieden mit dieser Idee.

Die Ösen hätte ich auch selbst einstanzen können. Da wir noch einen Satter bei uns im Viertel haben, ließ ich diese Arbeit von ihm erledigen. Hätte ich keinen Sattler in der Nähe, hätte ich mir eine Ösenzange besorgt und die Ösen selbst eingestanzt.

Wichtig: Stabile und passgenaue Aufhängungen

Wenn du selbst so einen oder so einen ähnlichen Seesack nähen möchtest wie ich, dann achte darauf, dass du die Aufhängungen passgenau anbringst.

Mir half dabei ein anderer Rucksack, den ich als Beispiel für die Abstände zur Hilfe nahm.

Einzig bei der mittleren oberen Aufhängung da verschätzte ich mich. Ich dachte, je weiter oben sie sitzt, desto besser ist es.

Nachdem ich dann schon stundenlang an dieser Aufhängung genäht hatte, merkte ich, dass sie doch zu weit oben sitzt.

Also trennte ich die Nähte wieder auf, versetzte die Aufhängung ein ganzes Stück weiter nach unten und begann noch einmal.

Diese Mehrarbeit kannst du dir sparen, wenn du dich gleich für die richtigen Abstände entscheidest.

Seesack nähen: Aufhängung Karabiner
Im Bild: Die unteren Aufhängungen aus Kletterkarabinern über Schlaufen am Seesack vernäht. Alle Aufhängungen habe ich zusätzlich verstärkt, indem ich von innen noch ein Stück Canvas-Stoff dahinter nähte.

Soviel kostet das selber Nähen eines Seesacks

Der selbst genähte Seesack kommt mich teurer als ein gekaufter. In meinem Outdoorladen um die Ecke gibt es sehr gute und großvolumige wasserdichte Seesäcke von Marken wie Mammut für um die 60 Euro.

Rechne ich alle Kosten zusammen, dann ist mein selber genähter Seesack teurer.

Alleine für die Plane bezahlte ich mit den Versandkosten um die 30 Euro. Das liegt aber auch daran, weil die Plane aus Deutschland bis nach Spanien geliefert werden musste.

Die Karabiner kosteten auch noch mal über 20 Euro. Es sind eben echte Kletterkarabiner. Das Kletterseil kostete 8 Euro.

Eine Rolle des sehr robusten Garns kostet 2,50 Euro. Davon verbrauchte ich drei Rollen. Also bezahlte ich allein für das Nähgarn 7,50 Euro.

Würde ich den Seesack wieder genauso nähen?

Mein selbst genähter Seesack ist so individuell wie kein anderer. Stoff und Nähte sind extrem belastbar.

In Bezug auf Material und Nähte würde ich alles genauso wieder machen.

Was ich jedoch ändern würde, wären die Abstände der Tragriemen. Bei meinem Modell liegen die oberen Befestigungen für die Tragriemen etwas zu weit oben. Ansonsten passt alles und ich bin zufrieden mit dem Ergebnis.

Seesack selber nähen mit Innentasche
Der fertige Seesack umgestülpt in der Innenansicht mit eingenähter Innentasche.

Der Seesack ist fast fertig – YouTube Video

Der fertige multifunktionale Seesack in Bildern – YouTube Video

Fazit

Lohnt es sich, einen Seesack selber zu nähen?

Für mich hat es sich gelohnt. Ich bin kein Näher und dieses Projekt war eine echte Herausforderung auf unbekanntem Terrain.

Dass der selbst genähte Seesack am Ende teurer kommt als ein gekaufter, finde ich weniger wichtig.

Viel wichtiger finde ich, dass ich das Projekt durchgezogen und einen individuellen Seesack nach meinem Geschmack gefertigt habe, den es in dieser Form garantiert kein zweites Mal gibt.

Einige Vorstellungen musste ich bei der Umsetzung verwerfen wie z.B. meine Idee, nichts von der Plane wegzuschneiden oder das Schließsystem mit den Kunststoffschnallen.

Vieles hat sich erst während dem Arbeitsprozess ergeben. Am Ende ist jedoch ein richtig cooler Seesack entstanden.

Updates zur Verwendung

Update: 7 Mai 2018

Ich hatte den Seesack bereits mehrfach im Einsatz. So flog ich damit übers Wochenende zu einem Event nach Barcelona. Hier nahm ich nur sehr wenige Sachen mit und brauchte nicht das gesamte Sackvolumen.

So zog ich beim Packen den oberen Verschluss unten um den Seesack und befestigte das Seil des Verschlusses am oberen Tragriemen.

Auf diese Weise hatte ich ein praktisches Daybag oder eben einen sehr praktischen Daybag-Seesack.

Auch im Flugzeug fällt er so klein zusammengepackt kaum auf.

Zu Hause nutze ich oft das gesamte Volumen. Auch hier macht er sich gut.

Ich hatte den Seesack auch schon auf dem Motorrad mit dabei. Dank der stabilen Tragseile und der festen Aufhängungen ist das kein Problem, da er sicher auf den Schultern sitzt.

Multifunktionaler Seesack
Multifunktionaler Seesack für verschiedenste Einsatzmöglichkeiten.

Update: 28 Juni 2018

Selbst genähter Seesack in Kanada
Mein selbst genähter Seesack während unseres Kanada-Trip durch die Rocky Mountains im Juni 2018.

Du willst wissen, wie es mir mit meinem Seesack in Kanada ergangen ist?

Update: 6 Dezember 2023

Mein selbst genähter Seesack lebt noch. In den letzten Monaten nutzte ich ihn als Transport-Seesack während unseres Umzugs ins neue Haus. Hierfür war er richtig praktisch, da so viel hinein passt.

Weiterlesen auf ousuca.com:

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