Polarlichter können in Norwegen, Schweden, Finnland, Alaska, Kanada, Island oder in anderen nördlichen Regionen oberhalb oder nahe des Polarkreises beobachtet werden. In diesem Artikel geht es vorrangig darum, wie du Nordlichter in Nordnorwegen auf die Spur kommst.

Wir fuhren zum Beobachten von Polarlichtern ins norwegische Tromsø. Ob wir Aurora Borealis vor die Linse bekamen und was wir aus unserer Reise gelernt haben, erfährst du im folgenden Reiseratgeber für Polarlicht-Jäger.

Polarlichter in Norwegen beobachten

Wie, wann, wo waren wir zu den Polarlichtern in Norwegen?

Wir sind eine Gruppe aus neun befreundeten Personen, die eine Idee vereint: Nordlichter in Tromsø / Norwegen beobachten.

Zum Jahreswechsel bis Anfang Januar 2019 waren wir (meine Freundin und ich) noch auf einem Roadtrip durch das verschneite Deutschland. Die Idee, Nordlichter in Norwegen zu beobachten kam uns zwar bereits vor dem Deutschlandtrip, jedoch hatten wir während der Wintertour durch Deutschland noch keine Ahnung, dass wir nur wenige Wochen später tatsächlich oberhalb des nördlichen Polarkreis in Tromsø stehen würden, um dort die Aurora Borealis mit eigenen Augen betrachten zu können.

Der konkrete Plan für die Norwegenreise wurde erst nach der Rückkehr aus Deutschland ausgearbeitet.

Es ist nicht so einfach, die Interessen von insgesamt neun Leuten unter einen Hut zu bringen und auch ist es nicht einfach, die Ausgangssituationen zwecks Arbeitsverhältnissen und verfügbaren Urlaubszeiten so zu koordinieren, dass auch tatsächlich alle neun Teilnehmer an solch einer abenteuerlichen Reise teilnehmen können.

Innerhalb von nur einer Woche schafften wir das fast Unmögliche und organisierten eine Reise nach Tromsø für unsere Gruppe von neun Personen.

Die Flüge buchten wir direkt im Paket. Auch das Hotel mit Frühstücksbuffet, die Touren zu den Polarlichtern sowie eine Hundeschlittentour durch verschneite norwegische Landschaft und eine Ausfahrt entlang verlassener Fjorde am Nordmeer wurden auf die Schnelle von uns gebucht.

Polarlicht Jagd, Aurora Hunting, Tromso
Unsere Reisegruppe während einer nächtlichen Polarlicht-Jagd nahe Tromsø. Sorry, dass das Bild aussieht wie mit einer alten Kartoffel aufgenommen, aber es war kalt, es sollte kein Flash verwendet werden und ja, beim nächsten Mal wird es sicher besser.

Haben wir Polarlichter in Norwegen beobachten können? Ja, aber…

Wenn es nur so einfach wäre, Polarlichter zu entdecken, dann hätte sie wohl jeder schon einmal beobachtet. Alleine die Reisevorbereitungen scheinen für viele bereits zu aufwendig und so scheitert solch ein Plan schon in der ersten Planungsphase.

Das norwegische Tromsø gilt als einer der vielversprechendsten Ausgangspunkte für atemberaubende Nordlichter in schillernden grünen Farbtönen. Tromsø liegt jedoch nicht gerade um die Ecke sondern oberhalb des nördlichen Polarkreises. Allein unser Anflug aus Málaga dauerte mit Zwischenstopp und Aufenthalt in Oslo über 8 Stunden. Ok, die Zeit für die Anreise kann man verschmerzen.

Was jedoch noch aufwändiger ist, das ist die Zusammenstellung der Packliste für einen Aufenthalt in arktischen Gebieten wie im norwegischen Tromsø. Und Tromsø liegt rein geografisch betrachtet hinter dem nördlichen Polarkreis und somit in der Arktis.

Polarlichter beobachten im norwegischen Tromsø.
Der kleine Ort Tromsø in Nordnorwegen zählt heute um die 70.000 Einwohner. Tromsø liegt oberhalb des nördlichen Polarkreises und ab hier stehen die Chancen für das Beobachten von Polarlichtern besonders gut. Aufgrund der nördlichen Lage ist Tromsø Ausgangspunkt für Expeditionen zum Nordpol.

Wir (alle Teilnehmer unserer Reisegruppe einschließlich meiner Wenigkeit) leben im ganzjährig warmen Andalusien und wir flogen im Winter an den Polarkreis nach Tromsø. Einige aus unserer Gruppe hatten Angst, hier lebendig schockgefroren zu werden und so forschten wir im Zuge der Vorbereitungen intensiv nach den bestmöglichen Klamotten für die besonderen klimatischen Herausforderungen.

Haben sich all die Vorbereitungen gelohnt und konnten wir tatsächlich Polarlichter am norwegischen Himmel bewundern?

Die Antwort lautet JA, wenn auch mit Einschränkungen.

Ja, wir hatten das Glück, gleich in der ersten Nacht nach unserer Ankunft im Zuge einer Polarlicht-Exkursion (Aurora Hunting) eine Aurora Borealis bewundern zu können. Diese Aurora Borealis war jedoch nicht sehr groß und hell und es sollte während der gesamten vier Tage unseres Aufenthalts in Tromsø auch die einzige Aurora Borealis bleiben, die wir zu Gesicht bekämen.

Warum dir dieser Artikel dabei hilft, selbst Nordlichter in Norwegen entdecken zu können

Wie bereits angedeutet, hatten wir leider nicht das große Glück, aber immerhin bekamen wir doch ein paar kleine Polarlichter vor die Linse.

Wir alle waren vor dieser Norwegenreise in Sachen Aurora Hunting blutige Anfänger. Auf zwei mitternächtlichen Aurora-Hunting-Touren die insgesamt über 16 Stunden dauerten und von denen eine über mehrere hundert Kilometer über verlassene und vereiste Straßen bis kurz vor die finnische Grenze ging, hatten wir nun die Gelegenheit, viel über die Polarlichter zu lernen.

Und im Zuge dieser Exkursionen lernten wir durch Guides, Gespräche mit anderen Aurora-Jägern und durch eigene Recherchen im Internet (während der stundenlangen Fahrten im Minibus) viel darüber, wie den Polarlichtern in Norwegen am besten auf die Spur gekommen werden kann.

Wir werden ganz sicher wieder an den Polarkreis kommen und das nächste Mal wenden wir dann ebenfalls all das Wissen an, das wir auf dieser ersten Expedition erfahren durften. Falls du bereits eine Reise in norwegische Polarlicht-Regionen gebucht hast, dann kannst du schon jetzt von den folgenden Aurora-Hunting-Tipps profitieren.

Los gehts!

Wie entstehen Polarlichter?

Zum besseren Verständnis zuerst eine kurze Erläuterung dazu, wie die Polarlichter eigentlich zustande kommen. Während unserer Polarlichter-Touren im Zuge der Tromsø-Reise lernten wir viel darüber, wieso die Nordlichter entstehen und wieso sie gerade an den Polen auftreten und nicht irgendwo anders.

Bestimmung der Stärke der Polarlichter anhand der Kp-Skala von 0 bis 9

Anhand des Kp-Index wird die solare Teilchenstrahlung durch ihre magnetische Wirkung dargestellt. Je höher der Kp-Index desto stärker leuchtet auch das Polarlicht.

Während unserer Tour zu den Nordlichtern wurde laut einschlägiger Polarlicht-Apps ein Kp-Index von 2 Kp angegeben. Das ist nicht gerade viel. Leider lässt sich die Stärke dieses Index nur schwer zeitlich voraussagen. Zumindest nicht so zeitig, um zeitnah eine Reise hierzu zu organisieren. Und leider lernten wir die Wichtigkeit des Kp-Index in Bezug auf die Leuchtkraft der Nordlichter auch erst während unserer Norwegenreise kennen.

Ein Kp-Index von 8 oder 9 Kp ist so gut wie ausgeschlossen. Laut unseres Polarlicht-Guides in Tromsø würde ein Polarlicht von 9 Kp sogar von Mitteldeutschland aus sichtbar sein. Hast du von Mitteldeutschland aus schonmal ein Polarlicht gesehen? Ich nicht. Falls du schon mal eins aus Deutschland betrachtet hast, dann war es sicher ein Polarlicht mit 8 oder 9 Kp.

Ein Polarlicht mit 9 Kp von Tromsø betrachten zu können, wäre natürlich der totale Wahnsinn. Die Realität sieht jedoch so aus, dass sich gute hohe Werte zwischen 4 Kp bis 6 Kp bewegen. Weitere Details zum Kp-Index bekommst du auf Wikipedia oder bei spaceweatherlive.com.

So entstehen die Polarlichter: Nordlichter und Südlichter

Wissenschaftlich ausgedrückt heißen Polarlichter am nördlichen Polarkreis Aurora Borealis.

Polarlichter treten rund um die beiden Erdpole auf, also rund um den nördlichen Polarkreis und rund um den südlichen Polarkreis. Von Gegenden knapp oberhalb oder unterhalb der Polarkreise sind die Polarlichter am besten sichtbar.

(Besonders starke Polarlichter können mittels moderner Digitalkameras sogar in Mitteleuropa, Deutschland, Italien oder wie im Herbst 2003 sogar in Griechenland oder auf den kanarischen Inseln wahrgenommen werden.)

Am Nordpol heißen die Polarlichter Aurora Borealis und am Südpol heißen die Polarlichter Aurora Australis.

Wie stark oder wie schwach die Polarlichter ausfallen hängt von den Sonnenwinden ab. Bei besonders starken Eruptionen auf der Sonne werden auch besonders viele elektronische Teilchen Richtung Erde geschleudert, die dann beim Auftreffen auf die Atmosphäre an den magnetischen Polen die typischen Polarlichter hervorrufen.

Elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwinds (hauptsächlich Elektronen und auch Protonen) treffen auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in den oberen Schichten der Erdatmosphäre und ionisieren diese.

Die Energie für die Leuchtkraft der Polarlichter stammt also von der Sonne und die Leuchtintensität hängt gleichzeitig mit der Stärke der Sonnenwinde zusammen. Hierbei sendet die Sonne ein elektrisch geladenes Plasma mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 500 bis 800 km/s und einer Dichte von ca. 5 × 106 Teilchen pro Kubikmeter aus. Eine genaue Beschreibung zur Entstehung der Polarlichter findest du bei Wikipedia.

Besonders starke Nordlichter durch unerklärliche plötzliche Entzündung der Teilchen

Vor der zweiten Aurora-Hunting-Tour wurde uns von der Adventure-Agency, die die Tour organisierte, in einer Art Schulungsraum ein Video über die Entstehung der Polarlichter gezeigt. Im Video war sehr anschaulich zu erkennen, wie sich das Plasma der Sonnenwinde von der Sonnenoberfläche ablöst und Richtung Erde aufmacht.

Treffen die energiegeladenen Teilchen der Sonne auf die Erdatmosphäre an den Polen, dann entsteht eine Art magnetischer Strom der sich über beide Erdpole erstreckt. Abhängig von der Stärke der Sonnenwinde treten die Polarlichter somit proportional gleichmäßig stark an beiden Polen auf.

Hin und wieder und unabhängig der Stärke des Kp-Wertes kann es zu plötzlichen Entzündungen innerhalb der Energieteilchen kommen, was dann eine besonders stark leuchtende Aurora Borealis zur Folge haben kann. Warum und weshalb sich die Teilchen plötzlich entzünden, das sei, laut unserem Guide, nicht vollständig klar.

Durch eben diese plötzlichen Entzündungen kann es aber vorkommen, dass sogar an Tagen mit relativ niedriger Kp-Vorhersage vergleichsweise starke Aurora Borealis zu beobachten sind. Somit könne man trotz Apps und anderen Diensten zur Wettervorhersage und zur Vorhersage der Teilchenstrahlung nie sicher sein, wie stark oder wie schwach die Polarlichter an spezifischen Tagen leuchten werden.

Beim Aurora Hunting ist wie bei einer richtigen Jagd immer auch etwas Glück mit im Spiel.

Wann ist die beste Reisezeit für Beobachtungen?

Als die beste Reisezeit für das Beobachten von Polarlichtern in Nordnorwegen gelten die Monate zwischen September bis März. In den Wintermonaten bewegen sich die Erdpole am nächsten zur Sonne, was eine starke Wahrnehmung der Polarlichter zur Folge haben kann. Jedoch können Polarlichter unabhängig der Jahreszeit auch das ganze Jahr über beobachtet werden.

Die Winternächte am nördlichen Polarkreis sind besonders lang. In den Wintermonaten geht in Tromsø bereits gegen 15:00 Uhr die Sonne unter. Schon gegen 17:00 Uhr am Nachmittag beginnen die ersten Touren zu den Aurora Borealis. Da die Nächte im Winter sehr lang sind und die Pole in den Wintermonaten optimal zur Sonne stehen, sollten die Chancen auf Aurora-Sichtungen besonders hoch sein. Oft sind sie das auch. Jedoch nur dann, wenn das Wetter mitspielt.

Die Monate Dezember, Januar und Februar gelten in Tromsø als besonders niederschlagsreich. Ist der Himmel wolkenverhangen, dann siehst du überhaupt nichts. Nichtmal den Mond. Das Wetter im Norden kann aber auch von einen Moment auf den anderen wechseln und auch uns ist es passiert, dass nachmittags der Himmel komplett zu war, wir einen Kaffee trinken gingen und wir nach dem Rauskommen aus der Kneipe unseren Augen kaum trauten, weil der Himmel nun wieder sternenklar war.

Die Wintermonate in Tromsø können prinzipiell vielversprechend für Aurora-Sichtungen sein. Um die Chancen noch zu erhöhen, solltest du jedoch mindestens eine Woche Aufenthalt mit täglichen Aurora-Hunting-Touren einplanen.

Polarlicht Norwegen, Tromsø
Eine eher schwache Aurora Borealis mit Kp 2, gesichtet während einer unserer Aurora-Hunting-Touren nahe Tromsø.

Tipps für effektives Polarlichter beobachten

Plane eine längere Reisezeit mit täglichen Nachttouren zur Aurora Borealis

Da wir zu neunt unterwegs waren, waren vier Tage Aufenthalt leider das Maximum, das wir uns erlauben konnten. Wenn du unabhängiger reist, z.B. nur zu zweit mit deinem Partner, dann plant für euren Besuch in Tromsø eine Mindestdauer von einer Woche ein.

Bucht für den gesamten Zeitraum eures Aufenthaltes täglich eine Ausfahrt zu den Polarlichtern.

Unser Tipp: Über manche Anbieter können mehrere Touren über einen längeren Zeitraum (z.B. jede Nacht über die Dauer einer Woche) gebucht werden. Hier fallen die einzelnen Touren dann weitaus günstiger aus, als wenn du jede Tour einzeln buchen würdest.

Abhängig davon, ob du deine Aurora-Hunting-Tour mit mehreren Leuten im Reisebus oder individuell im Minibus buchst, kannst du mit Tourpreisen zwischen 90 bis 150 Euro pro Person und Tour rechnen. Hier kannst du also richtig Geld sparen.

Warum kann die Aurora Borealis nicht direkt in Tromsø beobachtet werden?

Im Internet schwirren etliche Bilder von leuchtend grünen Polarlichtern herum, die direkt über der Stadt Tromsø wie ein Feuerwerk blinken. Sicher kann es hin und wieder besonders starke Polarlichter geben, die direkt über der Stadt beobachtet werden können. Das ist jedoch die Ausnahme.

Um eine Aurora Borealis mit bloßem Auge gut erkennen zu können ist Dunkelheit notwendig und die ist mitten in einer nachts hell beleuchteten City nun einmal nicht gegeben.

Auch wenn die Nordlichter direkt über der Stadt stehen, so sind diese mit dem bloßen Auge hier meist nicht erkennbar. Deshalb werden über Touranbieter Busse bereitgestellt, mit denen außerhalb der beleuchteten Stadt an dunklen Plätzen die Aurora Borealis beobachtet werden können.

Die Polarlichter wandern und wechseln die geografische Lage. Über entsprechende Aurora-Apps ist die Beweglichkeit der Nordlichter gut zu erkennen. Sie ziehen geradezu auf wie ein dichtes Wolkenband und nehmen teils unterschiedliche Bahnen. Um so nah wie möglich an die Bahnen der Polarlichter heranzukommen werden von Aurora-Huntern nicht selten hunderte Kilometer zurückgelegt. Deshalb fuhren wir auch (leider erfolglos) während einer unserer gebuchten Aurora-Hunting-Touren bis an die finnische Grenze.

Die wichtigsten Tipps für erfolgreiches Beobachten der Nordlichter im Überblick

Voraussetzungen für eine optimale Beobachtung der Aurora Borealis:

  • Klare Sichtverhältnisse. Wolkenfreier Himmel.
  • Kein Vollmond und bestenfalls überhaupt kein Mond.
  • Ein guter mittlerer Kp-Wert auf der Kp-Skala.
  • Keine Lichtbeeinträchtigung durch Städte, Straßenlaternen, Stirnlampen oder Smartphone oder Kamerabeleuchtungen.

Nutze Aurora-Apps wie:

  • Aurora Alerts
  • My Aurora Forecast & Alerts
  • Polarlicht-Vorhersage (My Aurora Forecast & Alerts auf Deutsch)

Weiterführende Infos

Wir werden sicher noch einmal aufbrechen, um die Polarlichter zu beobachten und das nächste Mal sind wir besser vorbereitet als beim ersten Mal. Wann das genau sein wird steht noch in den Sternen, aber uns hat das Aurora-Hunting-Fieber erwischt und es ist sicher nur eine Frage der Zeit bis wir diesem wieder erliegen. Trag dich ins Newsletter ein und bleibe mit allen Neuigkeiten auf dem Laufenden.

Sonstige Infos zu Norwegen und anderen Reisedestinationen findest du in den Reiseführern. Hast du weitere Fragen oder Anregungen wie wir noch besser werden können, dann kontaktiere uns gerne.

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