10 Regeln für richtiges Verhalten bei Wildschweinen und Wildschweinangriff (+Video)

Wildschweine

Bist du öfter im Wald, dann wirst du vielleicht irgendwann Kontakt mit Wildschweinen haben oder Wildschweinspuren begegnen.

Sollte es zu einer Begegnung mit Wildsauen oder sogar zu einem Wildschweinangriff kommen, solltest du wissen, wie du dich verhalten musst.

Schnellüberblick:

  1. 10 Verhaltensregeln gegenüber Wildschweinen
  2. Was ist eine Wildschweinrotte?
  3. Keiler, Bache, Überläufer, Frischlinge
  4. Wie du einen Wildschweinangriff vermeidest
  5. Was tun bei Kontakt zwischen Wildschweinen und Hund?
  6. Video
  7. Glossar

10 Verhaltensregeln gegenüber Wildschweinen

Wildschweine sind Fluchttiere und ziehen es im Normalfall vor, dir aus dem Weg zu gehen.

Vorausgesetzt natürlich, dass sie dich wahrnehmen können und, dass du ihnen Raum bietest, um flüchten zu können.

  1. mache dich im Wald (dezent) bemerkbar
  2. vermeide Wildschweinzeiten (Morgengrauen, Dämmerung)
  3. krieche nicht durchs Unterholz
  4. bei unerwartetem Wildschweinkontakt bewahre die Ruhe
  5. ziehe dich langsam zurück, lasse das Wildschwein wegrennen und versperre keine Fluchtwege
  6. schlage nicht mit Stöcken auf eine angreifende Wildsau
  7. rette dich wenn möglich auf einen Baum oder eine andere Erhöhung
  8. führe den Hund im Wald an der Leine
  9. bei Wildschweinangriff auf deinen Hund gehe nicht dazwischen und bringe dich in Sicherheit
  10. sei besonders vorsichtig zur Rauschzeit (Paarungszeit zwischen Dezember bis Januar) und bei Frischlingen

Was ist eine Wildschweinrotte?

Als Wildschweinrotte wird eine Ansammlung mehrerer Wildschweine bezeichnet. Sie besteht aus männlichen und weiblichen Tieren, Überläufern und manchmal auch Frischlingen.

Wildschweinrotten werden übrigens meist von erfahrenen Bachen angeführt. Diese weiblichen Tiere oder auch Muttersauen sind wie alle Mütter vorrangig darauf bedacht, die Sicherheit für die Familie zu gewährleisten.

Besteht für sie eine Möglichkeit zum Rückzug oder zur Flucht, so wird die Bache ihre Rotte mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Gefahrenzone und in Sicherheit bringen.

Wildschweinrotte: Keiler, Bache und Überläufer
Wildschweinrotte: Keiler, Bache und Überläufer

Keiler, Bache, Überläufer, Frischlinge

Sprechen wir von Wildschweinen, muss zwischen Keilern, Bachen, Überläufern und Frischlingen unterschieden werden. Die folgenden Merkmale helfen dir, Wildsauen draußen im Wald besser einordnen zu können.

Was geschieht bei einem Wildscheinangriff durch einen Keiler?

Der Keiler ist ein männliches Wildschwein. Ein ausgewachsener Keiler kann eine Körpermasse von bis zu 180 kg und eine Höhe von bis zu 1,10 m erreichen.

Nackenmuskeln sind bei den männlichen Wildsauen besonders ausgeprägt. Diese helfen beim Ausgraben von Wurzeln und bei Kämpfen mit Artgenossen während der Paarungszeit.

Keiler rennen sehr schnell. Durch die Masse und Geschwindigkeit in Verbindung mit den starken Nackenmuskeln bei einem gezielten Wildschweinangriff kann dich ein Keiler mehrere Meter in die Höhe schleudern.

Die Gefahr bei einem Wildscheinangriff durch einen Keiler liegt aber nicht nur in seiner Kraft und seiner Masse. Vor allem sind es die scharfen seitlichen Eckzähne (Gewaff), die Längen bis zu 20 cm erreichen und lebensgefährlich werden können.

Beim Angriff stoßen Keiler mit der Schnauze mit Geschwindigkeit und Kraft gegen die Innenbeine. Hier liegt auch deine Hauptschlagader. Wird diese von den scharfen Hauern erwischt und durchtrennt, so kannst du verbluten.

Was geschieht bei einem Wildscheinangriff durch eine Bache?

Als Bachen werden die weiblichen Wildsauen bezeichnet. Sie können eine Körpermasse von stattlichen 160 kg erreichen.

Auch Bachen rennen sehr schnell und viel schneller als Menschen. Greift dich eine Bache an, so hast du keine Chance wegzurennen. Rette dich am besten auf den nächsten Baum.

Bachen haben keine seitlichen Hauer. Dafür ist ihr Gebiss mit besonders scharfen Zähnen ausgestattet. Bei einem Wildschweinangriff beißen sie damit gnadenlos zu. Die Bisse finden zudem so schnell hintereinander statt, dass keine Zeit zum Reagieren bleibt.

Durch Bisse der Bache können schwere Verletzungen zustande kommen. Vor allem Hunde sind hier gefährdet. Jedes Jahr sterben Jagdhunde, die bei Treibjagden von Bachen gebissen und solange geschüttelt werden, bis das Rückgrat bricht.

Wildschweine: Keiler und Bache
Hinten: der Keiler ist deutlich an den Eckzähnen zu erkennen / Vorne: Bache (weibliche Sau)

Sind Überläufer gefährlich?

Überläufer werden junge Wildschweine genannt, die keine Frischlinge mehr sind, aber auch noch nicht komplett ausgewachsen. In der Regel handelt es sich hier um junge Keiler oder junge Bachen im zweiten Lebensjahr.

Triffst du im Wald auf Überläufer, so stellen diese generell keine Gefahr dar. In weniger bejagten Gebieten sind sie oft neugierig und lassen sich füttern oder sogar anfassen.


Bei Überläufern kann es sich entweder um junge Bachen oder um junge Keiler handeln.


Hunde können von Überläufern gebissen werden. Für Menschen besteht jedoch kaum Gefahr. Immer dann jedenfalls, wenn sich keine ausgewachsenen Keiler und Bachen in der Nähe befinden.

Wildschweine: Überläufer (Jungsau)
Als Überläufer werden zweijährige Wildschweine bezeichnet

Was ist ein Frischling?

Frischlinge sind sehr junge Wildschweine. Hier handelt es sich um Jungschweine bis zum zwölften Lebensmonat. Du erkennst sie am helleren Fell und an den typischen Rückenstreifen.

Die jungen Frischlinge sehen verlockend niedlich aus. Auf keinen Fall solltet du dich ihnen jedoch nähern. Dort wo sich Frischlinge aufhalten, ist meist auch die Muttersau (Bache) nicht weit.


Triffst du im Wald auf Frischlinge, so sieh zu, dass du schleunigst Abstand gewinnst!


Wie du einen Wildschweinangriff vermeidest

Wildschwine warten nicht im Wald auf dich, um dich hinterrücks angreifen zu können.

Im Gegenteil werden sie immer versuchen, direktem Kontakt aus dem Weg zu gehen. Dazu musst du ihnen allerdings auch die Möglichkeiten einräumen.

Besondere Vorsicht im Morgengrauen und bei Dämmerung

Im Morgengrauen und zur Dämmerung sind Wildschweine besonders aktiv. Bist du früh am Morgen im Wald, dann solltest du Vorsicht walten lassen.

Mache dezent auf dich aufmerksam und lasse den Hund am besten zuhause. Ist er mit dabei, dann führe ihn an der Leine.

So kannst du auf dich aufmerksam machen:

  1. unterhalte dich mit deinem Partner
  2. führe Selbstgespräche
  3. pfeife ein Lied
  4. schlage hin und wieder mit einem Stock gegen Bäume
  5. laufe auffällig

Verhalten zur Rauschzeit, Paarungszeit

Die Paarungszeit des Schwarzwildes wird in der Jägersprache als Rauschzeit bezeichnet. Ein rauschiger Keiler gilt als besonders aggressiv und angriffslustig.

Zur Rauschzeit solltest du besonders aufmerksam durch den Wald gehen.

In Mitteleuropa beginnt die Paarungszeit des Schwarzwildes meist im November und endet im Januar. Wann die Paarungszeit beginnt, wird allerdings von den Bachen bestimmt.

Somit kann die Zeit der Verpaarung abhängig von Ort und Klimabedingungen auch etwas variieren. Der Dezember gilt als der Höhepunkt der Paarungszeit.

Die Tragzeit einer trächtigen Bache beträgt etwa vier Monate. Im Frühjahr bringen sie dann meist 6 Frischlinge zur Welt. Die ersten zwei Wochen nach der Geburt verbringen die Frischlinge im Kessel. Gesäugt werden sie von der Muttersau die ersten drei bis vier Monate.

Ruhende Wildsauen nicht im Kessel stören

Abhängig von den klimatischen Bedingungen können Wildschweine zu verschiedenen Tageszeiten ruhen. Zum Ausruhen ziehen sie sich in sogenannte Kessel zurück. Diese befinden sich meist an versteckten Stellen im Unterholz

Vermeide es zu Ruhezeiten Wildschweine an diesen versteckten Ruhekesseln aufzuschrecken.

Wildschweinspuren: Löcher und Wildschweinlosung
Wildschweine und Aufenthaltsorte von Schwarzwild an den Spuren erkennen / Links: Wühllöcher / Rechts: Wildschweinlosung

Bachen im Wurfkessel weiträumig umgehen

Im Vergleich zum normalen Ruhekessel ist der Wurfkessel besonders bequem ausgestattet. Merkmale, dass sich ein Wurfkessel in deiner Nähe befindet sind Moosballen, Grasballen, angehäufte Blätter und ausgescharrte Sträucher.

Eine Bache könnte diese Materialien zurecht gelegt haben, um sich damit den Wurfkessel auszustatten oder noch bequemer zu gestalten.

Triffst du im Wald auf einen Wurfkessel oder Merkmale die auf einen hindeuten können, dann verlasse diese Zone sofort!

Bachen, die du am Wurfkessel überraschst, können äußerst aggressiv werden.

Wenn es zum Kontakt mit Wildschweinen kommt

Kommt es trotz Vorsicht zu einem Kontakt zwischen Wildscheinen und Mensch, dann bewahre die Ruhe und reagiere auf keinen Fall hektisch.

Aufgrund der oben genannten Merkmale kannst du Bachen, Keiler, Überläufer und Frischlinge bereits unterscheiden. Handelt es sich um eine Bache oder um einen Keiler?

Erkennst du die Wildsau aus der Entfernung und sie erkennt dich, so gehe langsam zurück. Behalte den Blick dabei in Richtung Wildschwein. Im Normalfall sollte die Wildsau die Gelegenheit nutzen und das Weite suchen.

Rennt die Wildsau unverhofft auf dich zu und es kommt zu einem Wildschweinangriff, dann bringe dich auf einem Baum in Sicherheit. Schaffst du es nicht, auf den Baum zu klettern, dann springe kurz vor der Begegnung mit dem Wildschwein hinter einen Baum, so dass der Angreifer an dir vorbeirennen muss.

Auf keinen Fall solltest du es auf eine direkte Konfrontation ankommen lassen. Und schon garnicht solltest du versuchen, die Wildsau mit einem Stock oder Messer bearbeiten zu wollen. Diesen Kampf würdest du garantiert verlieren.

Rückzug und offener Fluchtweg (für die Wildsau)

Die meisten Tiere und wohl auch die meisten Menschen, die in die Enge getrieben werden, wählen den Angriff als Verteidigung.

Indem du dich zurück ziehst, deutest du dem Tier an, dass du ihm ebenfalls Raum für einen Rückzug bietest.

Ziehe dich in einer Richtung zurück, die dem Schwarzwild den bestmöglichen Raum zur Flucht bietet.

Was tun bei Kontakt zwischen Wildschweinen und Hund?

Um die Möglichkeiten für einen Kontakt zwischen Wildschwein und Hund von vornherein möglichst einzugrenzen, führe deinen Hund im Wald an der Leine.

Begibst du dich in Gebiete mit hohem Vorkommen an Schwarzwild und womöglich zur Rauschzeit, dann lasse den Hund am besten gleich zuhause.

Auch gut erzogene Hunde könnten beim Kontakt mit Wildtieren die guten Vorsätze vergessen und ihrem Instinkt folgen. Fühlt sich ein Wildschwein vom Hund bedroht, geht es zum Gegenangriff über. Im schlimmsten Fall kann das böse Folgen für den Hund haben, da er als verwöhnter Haushund gegen eine wild lebende und ausgewachsene Wildsau kaum Chancen hat.

Kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Hund und Wildschwein, dann bringe dich selbst in Sicherheit. Hier hast du nichts auszurichten. Nachdem du dich in Sicherheit gebracht hast, versuche den Hund zurückzupfeifen.

Hast du Glück, wird der Hund merken, dass er gegen die angreifende Wildsau den Kürzeren zieht, auf dein Pfeifen hören und sich aus dem Kampf zurückziehen.

Wildschwein und Hund
Wildschwein (ein junger Überläufer) und Hund

Wildschweine sind zwar schnell, aber nicht besonders wendig. Ergreift dein Hund die Flucht und rennt davon, kann er sich retten.

Indem du dich zuerst selbst rettest und dann den Hund zurückpfeifst, hilfst du dir und deinem Hund am besten.

Video

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Glossar

Die wichtigsten Begriffe und ihre Bedeutungen:

  1. Schwarzwild, Schwarzkittel: ugs. für Wildsauen in der Jägersprache
  2. Wildschwein: Paarhufer, wild lebende Form des Hausschweines
  3. Wildsau: siehe Wildschwein
  4. Keiler oder Eber: männliches Wildschwein
  5. Basse: älterer Keiler ab dem fünften oder sechsten Lebensjahr (auch Hauptschwein)
  6. Bache: Mutterschwein (weibliche Wildsau)
  7. Leitbache: ältestes fortpflanzungsfähiges Weibchen
  8. Überläufer: junge, aber noch nicht ausgewachsene Wildsauen beiden Geschlechts im zweiten Lebensjahr (13. bis 24. Lebensmonat) / siehe auch: Überläuferbache oder Überläuferkeiler
  9. Frischling: Jungtier von der Geburt bis zum 12. Monat
  10. Wildschweinrotte: Ansammlung mehrerer Wildschweine meist bestehend aus männlichen und weiblichen Tieren, Überläufern und manchmal auch Frischlingen
  11. Gewaff: Eckzähne beim Keiler / Eckzähne im Oberkiefer: Haderer / Eckzähne im Unterkiefer: Gewehre
  12. Kessel, Wurfkessel, Frischkessel: mit Blättern und Laub präparierter Ort, wo Bachen die Frischlinge zur Welt bringen und die ersten Wochen ernähren
  13. Wildschweinangriff: Angriff von Wildschweinen (vorrangig Bache und Keiler)
  14. Rauschzeit: Paarungszeit
  15. Malbaum, Malbäume: Bäume, die von Wild dazu genutzt werden, um sich daran das Fell, die Decke bzw. die Schwarte zu scheuern

Download: Die 10 Verhaltensregeln zum Mitnehmen

Lesetipp: 10 Waldregeln

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