Verhalten bei Gewitter im Wald

Gewitter im Wald

Du wirst im Wald beim Wandern, Joggen, auf der Jagd, beim Buscraften oder Pilze sammeln von einem Gewitter überrascht.

In so einem Moment solltest du wissen, was zu tun ist. Auch im Umkreis von 30 Metern zu einem Blitzeinschlag befindest du dich in Lebensgefahr. Weißt du, wie du dich bei Gewitter im Wald verhalten musst?

Kennst du die 3-Sekunden-Regel und kannst abschätzen, in welcher Entfernung die Gewitterfront heranzieht?

Stehen die Gewitterwolken bereits über dir, so musst du sofort handeln. Was du tun musst, erfährst du in den folgenden Tipps. Am Ende des Artikels findest du die wichtigsten Verhaltensregeln außerdem als Archiv zum Ausdrucken und Mitnehmen.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Wie gefährlich ist ein Gewitter im Wald?
  2. Gewitter-Rechner: Die 3-Sekunden-Regel
  3. Was tun? Verhaltensregeln
  4. Fazit und Download

Wie gefährlich ist ein Gewitter im Wald?

Wie gefährlich der Aufenthalt bei Gewitter im Wald ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab wie:

  • Stärke des Gewitters
  • Geländebeschaffenheit
  • Art und Höhe der Bäume

Die Gefahr besteht nicht nur darin, von einem Blitz getroffen zu werden. Gewitterfronten gehen oft mit starken Unwettern und Stürmen einher. Ist das der Fall, kommen weitere Gefahrenquellen hinzu wie:

  • umstürzende Bäume
  • abknickende schwere Äste, die auf dich fallen können
  • starke Regenfälle
  • Schlammlawinen und Gerölllawinen
  • Rutschgefahr
  • Windböen (starke Windböen können auf freigesetzten Flächen mit Abhängen zur Gefahr werden)

Zusammenfassung aller Gefahren, die durch Gewitter entstehen können:

  • Blitzschläge: die Gefahr, selbst vom Blitz getroffen oder durch abgeleiteten Blitzstrom verletzt zu werden
  • Sturm und Unwetter und damit verbundene Gefahren
  • Starkregen und damit einhergehende gefährliche Situationen
Gefahren durch Gewitter: Blitze, Unwetter und umstürzende Bäume
Gefahren bei Gewitter entstehen nicht nur durch Blitzschlag, sondern auch durch Unwetter und umstürzende Bäume.

Gewitter-Rechner: 3-Sekunden-Regel

Kennst du den Gewitter-Rechner und die 3-Sekunden-Regel? Diese Methode hilft dir abzuschätzen, in welcher Entfernung sich ein Gewitter befindet.

Außerdem kannst du anhand der 3-Sekunden-Regel feststellen, ob die Gewitterfont in deine Richtung zieht, sich bereits über dir befindet oder abzieht.

So funktioniert die 3-Sekunden-Regel:

  1. zähle die Sekunden, die zwischen einem Blitz bis zum Donner vergehen
  2. rechne pro vergangener 3 Sekunden einen Kilometer
  3. sind z.B. 30 Sekunden vergangen, so ist das Gewitter etwa 10 Kilometer entfernt
Gewitter Entfernung berechnen mit der 3-Sekunden-Regel
Entfernung eines Gewitters berechnen mit der 3-Sekunden-Regel

Funktionsweise der 3-Sekunden-Regel

Die Funktionsweise der 3-Sekunden-Regel zur Berechnung der Entfernung eines Gewitters basiert auf der Differenz zwischen Schallgeschwindigkeit und Lichtgeschwindigkeit.

  • Lichtgeschwindigkeit: 299.792.458 m/s
  • Schallgeschwindigkeit (bei 20 ºC): 343,2 m/s (1236 km/h)

Vor Ort finden Donner und Blitz gleichzeitig statt. Da sich der Schall jedoch langsamer ausbreitet als das Licht, braucht er mehr Zeit um bis zu deinen Ohren zu gelangen.

Deshalb siehst du den Blitz, bevor du den Donner hören kannst.

Beispielrechnungen:

Angenommen die Differenz zwischen Blitz und Donner beträgt 10 Sekunden. Setzt du diese Zeit von 10 Sekunden mit der Schallgeschwindigkeit in Beziehung, so ergibt sich eine Distanz von 343,2 Metern pro Sekunde.

Übertragen auf 10 Sekunden beträgt die Gesamtdistanz also 3.432 Meter. Das sind etwas mehr als 3 Kilometer.

Zählst du nur eine Sekunde, so ergeben sich 343,2 Meter (Schallgeschwindigkeit). Gemäß der 3-Sekunden-Regel multiplizierst du sie mal 3 und kommst auf eine Entfernung von etwa einem Kilometer.


Wichtig:

Die 3-Sekunden-Regel gilt nur als grober Anhaltspunkt zum Abschätzen der Entfernung einer Gewitterfront. Anstatt dich ausschließlich auf diese Regel zu verlassen, beachte die richtigen Verhaltensregeln bei Gewitter im Wald.


Was tun? Verhaltensregeln

Anhand der vorangegangenen Tipps und der 3-Sekunden-Regel kannst du ungefähr abschätzen, wie gefährlich dein Standort ist und in welcher Entfernung sich die Gewitterfront befindet.

Je höher du im Gebirge bist, desto höher ist auch die Gefahr durch Blitzschlag. Stehen hochragende Bäume oder Masten in unmittelbarer Nähe, so beeinflusst das die Gefahrenlage.

Was du bei Gewitter im Wald also als erstes tun solltest, ist, dich von Höhenlagen hinunter zu begeben und Abstand zu hohen Bäumen oder Masten zu gewinnen. Auch von Überlandleitungen solltest du dich entfernen.

Die richtigen Abstände zu Gefahrenzonen im Schnellüberblick:

  • hohe Bäume: Mindestabstand 10 Meter
  • metallene Gegenstände (Schirm, Jagdwaffe, Wanderstock): mindestens 10 Meter
  • Überlandleitungen, Strommasten, Antennen: mindestens 50 Meter
  • zu anderen Menschen, Tieren: 3 Meter
Verhalten bei Gewitter: Abstand zu Masten und Leitungen
Halte bei Gewitter mindestens 50 Meter Abstand zu Masten und Überlandleitungen

Abstieg aus Höhenlagen

Bist du in den Bergen und ein Gewitter zieht auf, dann steige wenn möglich sofort in tiefere Lagen.

Ein Blitz sucht sich immer den kürzesten Weg bis zum Einschlag. Besondere Gefahr besteht deshalb in Gebirgen und nahe hoher Bäume, Hochsitze, Masten, Häuser.

Bäume und Baumgruppen

Hohe Bäume solltest du meiden. Stehst du bei Beginn eines Gewitters mitten im Wald, ist das natürlich leichter gesagt als getan. Suche dir hier eine Stelle mit niedrigeren Baumhöhen aus.

Je niedriger die Bäume sind, desto sicherer bist du auch vor Blitzschlag.

Die Bäume sollten nicht hoch hinausragen und wenn möglich im losen Verbund stehen. So kannst du dich in 10 Metern Abstand zwischen den niedrigen Bäumen platzieren.

Richtiges Verhalten bei Gewitter: meiden hoher Bäume
Meide bei Gewitter Erhöhungen und hohe Bäume. Suche stattdessen Mulden und Baumgruppen mit niedrigen Bäumen.

Wohin? Verhalten auf freier Fläche

Bist du auf freier Fläche, so suche dir am besten eine Mulde oder eine andere Vertiefung.

Ist das Gewitter genau über dir, so hocke dich auf den Boden. Auf keinen Fall solltest du dich jedoch auf die Erde legen.

Legst du dich auf den Boden, so bietet dein Körper die größtmögliche Angriffsfläche, um im Falle eines Einschlags Blitzstrom aufnehmen zu können. Vor allem dann, wenn der Boden noch dazu vom Regen nass ist.

Trägst du Trekkingschuhe an den Füßen und hockst dich auf den Boden, so dass nur die Schuhsohlen Bodenkontakt haben, so bist du geschützt durch die Gummisohlen. Gummi leitet keinen Strom.

Die richtige Haltung im Überblick:

  • hockend auf dem Boden
  • so klein machen wie möglich
  • nur die Fußsohlen haben Bodenkontakt
  • Füße stehen eng beieinander
  • Hände und andere Körperteile haben keinen Kontakt mit dem Boden
  • die Hände können schützend vor die Knie oder über den Hinterkopf gefaltet werden (vorteilhafte Haltung bei Sturm und möglichen herumfliegenden Gegenständen)

Suche die Buche und weiche der Eiche?

Ein Fünkchen Wahrheit steckt wohl auch in dieser Binsenweisheit. Wirst du im Wald von einem Gewitter überrascht, ist es jedoch eher unwahrscheinlich, dass du dich ausgerechnet auf die Suche nach einem geeigneteren Baum begibst. Denn den besten Schutz bieten Orte, wo eben keine Bäume stehen.

Was hat es mit dieser Weisheit auf sich?

Hierüber lässt sich nur spekulieren. Eichenwurzeln reichen tiefer in den Boden als Buchenwurzeln. Statistisch gesehen werden Eichen dadurch häufiger vom Blitz getroffen als Buchen.

Auch die Baumrinden gestalten sich unterschiedlich. Buchenrinden sind glatter und können Blitzstrom im Falle eines Einschlages somit schneller in den Boden ableiten.

Eichenrinde ist furchiger und weniger durchgängig. Bei Regen bleibt somit die Rinde trockener. Schlägt ein Blitz oben in die Eiche ein, kann er unten wieder heraustreten, ohne über die Rinde abgeleitet worden zu sein. Stünde ein Mensch beim Blitzeinschlag unter der Eiche, so wäre das fatal.

Schutz in einer Hütte suchen

Ist es nicht weit bis zu einer Hütte, so kannst du dort Schutz vor dem Wetter suchen.

In Gebirgen nahe frequentierter Wanderstrecken stehen oft Wanderhütten oder Refugiums. Diese sind dem Standort entsprechend besonders stabil und zuverlässig.

Entfernung zu Wasser, Gewässern

Halte ausreichenden Abstand zu Gewässern wie Waldseen, Seen, Bächen, Flüssen oder großen Wasserbassins (z.B. Wasserbassins, die zum Brandschutz im Wald bereitstehen).

Wasser ist ein hervorragender Stromleiter. Schlägt ein Blitz ein, wird Blitzstrom vom Wasser weitergeleitet. Versuche einen Abstand von mindestens 50 Metern zum Wasser einzuhalten.

Sicherheit im Auto: Faradayscher Käfig

Steht dein Auto in der Nähe, dann flüchte dich vor dem Gewitter ins Auto. Im Auto bist du am sichersten aufgehoben. Durch die Karosse wirkt es wie ein Faradayscher Käfig und leitet Blitzstrom ab.

Rettest du dich ins Auto, so schließe die Fenster und achte darauf, keine metallenen oder anderen leitenden Komponenten im Autoinneren zu berühren.

Fazit und Download

Bist du bei Gewitter im Wald, so schätze zuerst ab, in welcher Entfernung es sich zu dir befindet. Nutze hierfür die 3-Sekunden-Regel. Zieht die Gewitterfront in deine Richtung, so verhalte dich wie in den genannten Verhaltensregeln beschrieben.

Vergiss nicht, dass Gewitter meist in Verbindung mit Unwetter und Regen aufziehen. Gefahren bestehen also nicht nur durch Blitzschlag. Auch Starkregen, Sturmböen, Erdrutsche, abbrechende Äste und entwurzelte Bäume können zur Gefahr werden.

Download: Diese Tipps zum Ausdrucken und Mitnehmen

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