Feuerhärten: Holz härten in Feuer und Glut

Härten von Holzspitze in Feuer

Durch Feuer und Glut kann Holz gehärtet werden. Die im Anschluss vorgestellte Technik wurde so oder so ähnlich wohl bereits vor tausenden von Jahren von unseren Vorfahren angewendet.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Ursprung des Feuerhärten
  2. Die richtige Technik
  3. Schritt für Schritt Anleitung
  4. Vorteile und Nachteile
  5. Zusammenfassung

Ursprung des Feuerhärten

Dass schon die Neandertaler ihr eigenes Steinzeitfeuerzeug besaßen, ist mittlerweile bewiesen. Über den Ursprung des Feuerhärten herrschen jedoch immer noch geteilte Ansichten.

Einige Anthropologen sind sich sicher, dass Speerspitzen bereits von unseren Vorfahren in der Steinzeit im oder über dem Feuer gehärtet wurden. Da jedoch eindeutige wissenschaftliche Beweise fehlen, konnte diese Vermutung bisher nicht belegt werden.

Auf der Suche nach Beweisen oder Gegenargumenten zum Feuerhärten in der Steinzeit stieß ich auf einen Artikel bei Jugend forscht. Hier soll der Schüler Martin Fehrenbacher der Frage nach dem Sinn und Nutzen des Feuerhärten nachgegangen sein.

Bei Experimenten beim Härten von Holz über Feuer bestimmte er die Brinellhärte von vier Holzarten in frischem, ausgekohltem und getrocknetem Zustand.

Er konnte feststellen, dass die Härte bei den verkohlten Holzspitzen höher war als bei den nicht verkohlten. So ging er davon aus, dass die Steinzeitmenschen ihre Pfeilspitzen, Speerspitzen und andere Holzspitzen im Feuer härteten.

Rein von der Logik her betrachtet, scheint es auch mir sehr wahrscheinlich, dass die Technik des Feuerhärten bereits seit vielen Jahrtausenden von Menschen genutzt wird.

Vielleicht hat es sich so zugetragen, dass die Neandertaler einfach einmal einen Grabstock ins Feuer hielten und anschließend merkten, dass die Spitze nun härter war.

Das Feuerhärten ist sehr einfach umzusetzen und die Härte zwischen frischem Holz und im Feuer gehärtetem Holz ist deutlich spürbar.

Feuerhärten von Holzspitzen an Grabstöcken und Speeren
Das Feuerhärten eignet sich für das Härten von Holzspitzen an Grabstöcken, Speeren und Pfeilen

Die richtige Technik

Genau wie beim Ursprung so gibt es auch bei der Frage der richtigen Technik geteilte Meinungen. Das ist wohl darauf zurückzuführen, weil eben keine klaren Nachweise über die genaue Technik unserer Vorfahren beim Härten von Holz über Feuer vorhanden sind.

Es kann davon ausgegangen werden, dass unterschiedlich vorgegangen wurde.

Heute weiß man, dass durch richtiges Feuerhärten die Molekülstruktur im Holz verändert wird. Die Neandertaler hatten hierüber wohl keine Einsicht. Sie merkten nur, dass Holzspitzen härter werden, wenn man sie ins Feuer oder über die Glut hält. Und sie erkannten, dass die Holzspitzen verbrennen, wenn sie diese zu lange großer Feuerhitze aussetzen. Also suchten sie wohl den Mittelweg.

Die richtige Technik nach heutigen Gesichtspunkten

Das zu härtende Holz wird nicht direkt in die Flammen gehalten. Stattdessen soll es über der Glut gedreht werden, so dass es dich rundum gleichmäßig erhitzt.

Wir sprechen hier übrigens nicht vom Trocknen des Holzes. Auch trockenes Holz wird härter, jedoch nicht so glashart wie eben richtig über Glut gehärtetes Holz.

Beginnt das über der Glut gehaltene Holzstück zu qualmen, dann ist die Hitze zu hoch. Nimm es heraus und lasse es etwas abkühlen.

Beim Feuerhärten sollte das Holz möglichst nicht verkohlen, sondern nur eine rötliche Farbe annehmen. Diese entsteht durch die Veränderung im Holz enthaltener Zellstoffe wie Zucker und Alkohol, die durch die Hitze schmelzen und verglasen.

Rote Farbe von in Feuer gehärtetem Holz
Offensichtliches Erkennungsmerkmal von feuergehärtetem Holz ist die rote Verfärbung

Richtiges Holz

Das Feuerhärten soll bei Holz von Laubgewächsen effektiver sein als bei Holz von Nadelgewächsen. Bedenke auch, dass härteres Holz weniger gehärtet werden muss, da es ja bereits eine beträchtliche Eigenhärte aufweist.

Als ideal gelten Hölzer aus Eiche oder Esche. Probiere es einfach einmal mit verschiedenen Hölzern.

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Erkennung der Feuerhärtung

Lasse das Holz nicht zu lange über der Glut, da es sonst verkohlt und komplett brüchig wird. Achte auf Farbe, Geruch, Klang und Takt.

Verfärbt sich die Holzspitze rötlich, so ist die Veränderung der Molekülstruktur in vollem Gange. Der Geruch sollte an Röstaroma erinnern. Schlägst du mit der gehärteten Holzspitze auf ein anderes Stück Holz, so sollte der Klang heller sein.

Erkennungsmerkmale von in Feuer gehärtetem Holz:

  • Farbe: Rötliche Verfärbung des Holzes
  • Kratztest: Deutlich härtere Oberfläche
  • Geruchstest: Röstaroma
  • Klangtest: Gehärtetes Holz klingt heller

Schritt für Schritt Anleitung

#1 Holz auswählen und bearbeiten

Holz härten Schritt 1: Holz auswählen und bearbeiten
Schritt #1 Holz auswählen und bearbeiten

Sinnvoll ist das Feuerhärten vor allem bei der Herstellung von Holzspitzen für Speere, Pfeile oder Grabstöcke. Je härter das Ausgangsmaterial ist, desto härter wird es anschließend zusätzlich durch das Feuerhärten.

Verwende am besten härtere Hölzer von Eiche, Esche oder Buche. Für die Herstellung eines Speeres eignen sich gerade Stöcke vom Haselstrauch. Schnitze eine Spitze, die du anschließend über der Glut härten möchtest.

#2 Vorbereitung der Feuerstelle

Feuerhärten Schritt 2: Vorbereitung der Feuerstelle
Schritt #2 Vorbereitung der Feuerstelle

Während du deine Holzspitze schnitzt, kann das Feuer bereits brennen. Für das anschließende Feuerhärten benötigst du keine Flammen sondern Glut. Lege auch dickeres Brennmaterial auf, so dass sich ein ausreichend großes Glutbett bilden kann.

Lesetipp: Liste der wichtigsten Feuerarten

#3 Gleichmäßiges Härten über der Glut

Feuerhärten Schritt 3: Gleichmäßiges Härten über Glut
Schritt #3 Gleichmäßiges Härten über der Glut

Härte das Holz über der Glut. Nicht über der Flamme. Drehe die Holzspitze, so dass Hitze von allen Seiten an das Holz gelangen kann.

Beginnt die Spitze zu qualmen, dann nimm sie kurz aus dem Feuer, so dass sie sich etwas abkühlen kann. Das zu härtende Holz darf weder verkohlen noch verbrennen.

#4 Härtetest

Holz härten über Feuer 4, Härtetest
Schritt #4 Härtetest

Den Härtetest kannst du während und nach dem Feuerhärten machen. Teste wie oben beschrieben Farbe, Geruch, Festigkeit (Fingernagel Kratztest) und Klang.

Anwendung, Vorteile und Nachteile

Nutzen haben gehärtete Holzspitzen vor allem bei der Jagd in Form von Speerspitzen. Sie dringen einfacher durch die Tierhaut als nicht gehärtete Holzspitzen.

Auch bei Grabstöcken kann durch das Feuerhärten eine stabilere (wenn auch brüchigere Spitze) entstehen.

VorteileNachteile
Holz wird deutlich härterHolz wird an feuergehärteten Stellen nicht nur hart, sondern auch spröde
Geeignet für Speerspitzen, Pfeilspitzen, GrabstöckeKann schneller brechen bzw. ausbrechen
Einfach umzusetzende Technik
Im Vergleich zu Pfeilspitzen aus Stein oder Metall deutlich schnellere Herstellung
Feuergehärtetes Holz anschleifen an Stein
Anschleifen einer feuergehärteten Holzspitze an einem Stein

Zusammenfassung

Ob das Feuerhärten von Holz in der Steinzeit Verwendung fand, ist bis heute umstritten. Versuche haben jedoch eindeutig belegt, dass Holz bei Anwendung der richtigen Feuer-Härtetechnik tatsächlich härter wird.

Hast du schon einmal selbst versucht, Holz über Feuer und Glut zu härten? Berichte uns gerne von deinen Erfahrungen.

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