Überlebenstraining in den Alltag integrieren: Natur-Survival & Urban-Survival

Überlebenstraining.

Letztes Update: Oktober 2nd, 2018

Für jemanden, der noch nie damit in Berührung kam, kann die Bezeichnung Überlebenstraining nach extremen Survivalübungen klingen, so wie man sie vielleicht schon in YouTube Videos oder in Filmen von Bear Grylls oder anderen Survival-Experten gesehen hat.

Was bei all dem Hype nach immer neuen Extremen manchmal in Vergessenheit gerät, ist, dass Überlebenstraining für jeden geeignet ist, der die Absicht hat, seine Fähigkeiten und seine sportliche Fitness zu steigern.

Überlebenstraining für Anfänger

Überlebens-Training in den Alltag integrieren

Überlebenstraining beginnt bereits damit, wenn du morgens aus dem Bett steigst, dich zum Wasserhahn begibst, um dort ein Glas Wasser zu trinken.

Wasser ist überlebensnotwendig. Abhängig von Außentemperatur, Körperzustand und anderen Bedingungen kann ein Mensch nur wenige Tage ohne Wasser überleben. Indem du zum Wasserhahn läufst, hörst du auf deinen Überlebenstrieb, der dich dazu veranlasst, eben genau das zu tun (zum Wasserhahn zu laufen und zu trinken), um so dein Überleben zu sichern.

Das genannte Beispiel ist eine sehr alltägliche und wohl für jeden sehr normale Situation. Und niemand würde das als bewusstes Überlebenstraining bezeichnen.

Den Gang zum Wasserhahn kannst du jedoch noch etwas aufpeppen, so dass er tatsächlich einen Survival-Aspekt erhält. Wie wäre es z.B., wenn du morgen früh und noch vor Sonnenaufgang versuchst zum Wasserhahn in die Küche zu laufen, ohne dabei den Lichtschalter zu bedienen? So müsstest du deine Orientierungssinne anstrengen und dich wie in einer möglichen echten Survival-Situation (Stromausfall) verhalten und den Wasserhahn auch ohne Licht finden.

Auch das ist noch steigerungsfähig. Wenn wegen irgendeinem Notfall der Strom ausfällt und das Wasser gleich mit, dann nützt dir auch dein Wasserhahn nichts. Prepper hätten nun einen Notvorrat an Wasser irgendwo versteckt. nehmen wir aber an, du hast keinen Wasservorrat versteckt und du möchtest einfach nur reale Survival-Situationen im Alltag trainieren.

In diesem Fall könntest du dich z.B. ohne Licht hinaus in den Garten zum Pool oder bis an den nächsten Teich, Tümpel oder Bach tasten und dir dort dann ebenfalls im Dunkeln dein Trinkwasser mit einem handlichen Wasserfilter filtern. Denke einfach nicht daran, was die Nachbarn darüber denken könnten.

Wie du siehst, ist es garnicht so schwer, Überlebenstraining in den Alltag zu integrieren. Hast du eine blühende Phantasie, dann sind die Möglichkeiten für Überlebenstraining im Alltag geradezu unbegrenzt.

Beispiele für in den Alltag integriertes Survival-Training

  • Kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.
  • Treppe anstatt den Fahrstuhl benutzen.
  • Mögliche Ernstfälle (Stromausfall, Wasserausfall) gedanklich simulieren und Antworten überlegen. (Ohne Licht durchs Haus laufen. Wasserengpass alternativ überbrücken.)
  • Ein EDC zum festen täglichen Equipment machen, das EDC immer wieder hinterfragen und auf verschiedene mögliche Szenarien anpassen bzw. optimieren.
  • Basics des Prepping in den Alltag integrieren: Lebensmittel auf Vorrat lagern, ältere Lebensmittel verzehren und Nachkäufe nach hinten lagern.

Erweitertes alltagstaugliches Survival-Training und Unterscheidung der Trainingsvarianten

Beim erweiterten alltagstauglichen Survival-Training geht es um Trainingsarten die nicht direkt mit dem Alltagsgeschehen zu tun haben, aber trotzdem gut in den Alltagsablauf integriert werden können. Man könnte auch sagen, dass man hier das Überlebenstraining sozusagen als Hobby nebenher betreibt.

Beim Überlebenstraining unterscheidet man zwischen physischem Training, also Training wo die körperliche Fitness im Trainingsmittelpunkt steht und zwischen dem Trainieren von Fertigkeiten.

Beide Trainingsvarianten können oft gut miteinander kombiniert werden, was den Trainingserfolg erhöhen kann (z.B. Absolvieren eines mittelschweren Geländelaufes bei gleichzeitiger Auffrischung der Kenntnisse über essbare Pflanzen aus der Natur).

#1 Physisches Überlebenstraining

Beim physischen Überlebenstraining geht es um die Steigerung der körperlichen Fitness. Hierfür braucht es weder Fitnessstudio noch besonderes Trainingsgerät. Vielmehr wird die Natur oder alles was uns umgibt in ein riesiges Fitnessstudio verwandelt.

Zu den Trainingsübungen können alle denkbaren Outdoor-Sportarten gehören sowie alle körperlichen Ertüchtigungen, die in irgendeiner Weise zur Verbesserung der Fitness beitragen.

Möglichkeiten für physisches Überlebenstraining:

  • 10 km Läufe
  • Mittelschwere Geländewanderungen
  • Mehrtägige Trekkingtouren
  • Kurze und lange Fahrradtouren
  • Geländemärsche mit schwerem Gepäck
  • Geländemärsche ohne Orientierungshilfen (ohne Kompass, GPS oder Karte)
  • Geländemärsche mit Übernachtungen im Freien
  • Alle denkbaren Mikroabenteuer
  • Schwimmen
  • Klettern
  • Baden und Schwimmen in kalten Gewässern außerhalb der Badesaison (körperliche Abhärtung)
  • Trainieren von Kampfsportarten
  • Übungen mit dem eigenen Körpergewicht (Calisthenics)
Überlebenstraining Trekking, Marsch.
Weitwanderungen, Märsche, Trekking als Formen des physischen Überlebenstraining.

#2 Trainieren von Fertigkeiten

Beim Trainieren der Fertigkeiten stehen Skills im Vordergrund, die uns in Extremsituationen ohne Einsatz vieler zusätzlicher Hilfsmittel das Überleben sichern können.

Durch das Erlernen von Techniken wie das Feuer machen ohne Feuerzeug, ein Shelter errichten ohne Plane oder andere Hilfsmittel oder das selber Bauen von Ausrüstung wird gleichzeitig unsere Kreativität gefordert und gefördert.

Möglichkeiten für das Trainieren von Fertigkeiten:

  • Selber Herstellen von Ausrüstung (Bushcraft).
  • Erlernen von Techniken, wie man ohne Feuerzeug oder Streichhölzer ein Feuer entfachen kann.
  • Erlernen von Techniken und Experimentieren mit Möglichkeiten, wie man Wasser zu Trinkwasser aufbereiten kann, ohne einen modernen Outdoor-Wasserfilter.
  • Bauen eines Shelter ohne Hilfsmittel wie Planen oder Tarp.
  • Erlernen von Grundkenntnissen in Bezug auf die Jagd.
  • Auseinandersetzen mit alternativen Lebensmitteln aus der Natur wie pflanzliche Notnahrung oder tierische Notnahrung (Insekten, Würmer) und deren Genießbarkeit, Inhaltsstoffe und Zubereitungsmöglichkeiten.
  • Selber herstellen von Waffen bzw. Notwaffen.
  • Selber bauen einer kompletten Notunterkunft (für einen längeren Aufenthaltszeitraum).
  • Grundkenntnisse in Prepping.
  • Grundkenntnisse in Bezug auf verschiedene Fluchtszenarien (INCH-Bag, BOB, EDC, GHB, Fluchtrucksack, etc.)
  • Techniken der alternativen Kälte- bzw. Hitzeisolierung des Körpers (bei extremer Außenkälte oder extremer Außenhitze).

Physisches Überlebenstraining und das Trainieren von Fertigkeiten hilft uns nicht nur dabei, uns für denkbare Notsituationen vorzubereiten, sondern es fördert auch unsere allgemeine Fitness, Kreativität und somit unsere gesamte Persönlichkeit.


Überleben in der Natur

Viele Survival-Techniken zielen auf das Überleben in der Natur. Bis vor einigen Jahren noch wurden überlebenserhaltende Maßnahmen in Notsituationen unter dem Sammelbegriff Survival abgehakt. Mittlerweile ist hier noch eine Unterteilung hinzugekommen.

Bei den Überlebenstechniken in der Natur wird heute oft von Bushcraft oder Bushcrafting gesprochen. Aber was bedeutet eigentlich Bushcraft oder Buschcraft?

Bushcraft und Bushcraft-Techniken

Beim Bushcraften geht es darum, bestmöglich und angepasst in der Natur, von der Natur und mit der Natur zu leben. In Zeiten von digitalem Überfluss und Verstädterung geht es darum, wieder Kontakt zur Natur aufzunehmen.

Beim Bushcraften spielt eine moderne Outdoor-Ausrüstung weniger eine Rolle wie bspw. beim Urban-Survival. Vielmehr soll hier mit geringst möglicher Ausrüstung oder mit einer Ausrüstung wie sie Trapper schon vor 150 Jahren benutzten, ausgekommen werden. Was man nicht hat, das wird beim Bushcraften selber gebaut. Und hierzu kann dann wirklich alles gehören, was man sich vorstellen kann.

Beispiele für Ausrüstung die beim Bushcraften selber angefertigt werden kann (oder wird):

Wichtige Ausrüstung, die beim Bushcrafting mitgeführt wird:

  • Rucksack
  • Survival-Messer bzw. Bushcraft-Messer
  • Outdoor-Kocher und Outdoor-Kochgeschirr
  • Outdoor-Wasserfilter
  • Proviant
  • Tarp oder Plane, Schlafsack und Isomatte (falls draußen übernachtet wird)
  • Outdoor Erste Hilfe Set (sollte mit dazugehören)
  • Wetterfeste Schuhe (Trekkingschuhe, wasserfest)
  • Bei Schlechtwetter Regenkleidung

Für ausführliche Infos zum Thema Bushcraft einfach HIER KLICKEN.

Überlebenstraining: Kuksa selber schnitzen.
Beim Bushcraften werden Teile der Ausrüstung häufig selber hergestellt.

Überleben in urbanen Gebieten

Bei den Überlebenstechniken die sich mit dem Survival in urbanen Gebieten befassen, sprechen wir umgangssprachlich auch vom Urban-Survival. Der Begriff des Urban-Survival kann alle oder viele Techniken aus dem Bushcrafting einschließen. Außerdem stehen hier zudem meist eine besser vorbereitete Ausrüstung und Hilfsmittel zur Verfügung, die so eben nur in urbanen Gebieten vorkommen.

In urbanen Gebieten kommt es dann oft weniger darauf an, wie gut die Fertigkeiten im Bau eines Shelter aus natürlichen Materialien (Bäume, Wurzeln, Äste, Laub) sind. Vielmehr stehen hier taktische Skills im Vordergrund, die uns dabei helfen eine wetterfeste und vor allem sichere Unterkunft in urbanen Gebieten zu finden (z.B. in einer Ruine oder in verlassenen Häusern, Fabriken, etc.).

Folgende Ausrüstung kann beim Urban-Survival dabei sein:

  • Survival-Rucksack
  • Survival-Messer, Taschenmesser, Allzweck-Tool
  • Kompass, Karten
  • Outdoor-Wasserfilter
  • Notverpflegung
  • Outdoor Erste Hilfe Set (sollte mit dabei sein)
  • Fernglas, Feldstecher
  • Magnesiumstein, Feuerstarter oder andere Hilfsmittel zum draußen Feuer machen (Zunder)
  • Stirnlampe bzw. Taschenlampe (wasserdicht)
  • Powerbank bzw. Solar-Powerbank
  • Outdoor-Kocher, Outdoor-Kochset, Outdoor-Geschirr, Outdoor-Besteck
  • Tarp, Schlafsack, Isomatte

Für ausführliche Infos zum Thema Urban-Survival HIER KLICKEN.

Urban Survival Training und Ausrüstung.
Urban-Survival-Training: Überleben in Städten.

Überlebenstraining: Outdoor-Survival vs. Prepping

Beim Prepping geht es vorrangig um die Nofallvorsorge zuhause und um entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen, die im Falle eines Notfalls das Überleben von sich selbst und das Überleben der Familie sichern können.

Das Prepping kann als Teilgebiet des Überlebenstrainings bezeichnet werden.

Survival = Abenteuer für Männer?

Während vor Jahrzehnten Survival noch als echte Männerdomäne galt, so finden heute immer mehr weibliche Anhänger den Weg zum Überlebenstraining und all seinen Variationen. Überlebenstraining, Bushcraft, Survival bieten prima Möglichkeiten, Natur und Bewegung auf kreative Weise miteinander zu kombinieren. So trifft man bei den verschiedenen Arten des Überlebenstrainings auf eine wachsende Anzahl Frauen.

Survivaltraining als Vorbereitung für abenteuerliche Reisen

Für abenteuerliche Reisen kann man sich mit Survival-Trainingsarten bzw. Überlebenstraining vorbereiten, so wie sie hier beschrieben wurden.

Vor meiner abenteuerlichen Reise als Jugendlicher, wo ich gemeinsam mit einem Freund über acht Monate (fast) ohne Geld zu Fuß und später mit dem Fahrrad durch Europa reiste, bereitete ich mich durch Überlebenstraining vor. Auch im Zuge meiner Vorbereitungen meiner Auswanderung, die ich mit dem Fahrrad und ebenfalls mit sehr geringen finanziellen Mitteln antrat, bereitete ich mich durch verschiedene Survival-Trainings vor.

Im Vergleich zu größeren Expeditionen mancher Abenteurer sind meine kleinen Abenteuer Peanuts. Und auch mein persönliches Überlebenstraining war im Vergleich zu anderen Survival-Freaks wohl eher light. Da sich wie eingangs beschrieben der Begriff Überlebenstraining jedoch weit dehnen läßt und weil die unterschiedlichen Techniken und Variationsmöglichkeiten so vielfältig sind, bietet Überlebenstraining aber glücklicherweise für jeden Geschmack und für sehr viele Einsatzbereiche die optimalen Ausgangsbedingungen.

Einführung in Überlebenstechniken an einem Survival Wochenende

In Deutschland gibt es eine große und wachsende Anzahl an Survival-Schulen, Bushcraft-Camps und Survival-Kursanbietern. Von vielen Survival-Schulen werden Survival-Kurse an Wochenenden angeboten. Solche Survival-Wochenenden bieten auch für Anfänger, die wegen Arbeit oder anderen Verpflichtungen während der Woche keine Zeit für die Auseinandersetzung mit Überlebenstraining haben, gute Möglichkeiten einen Einstieg in die Welt des Survival zu finden.

An solchen Survival-Wochenenden werden Basics in vielen Bereichen vermittelt. Wer hier auf den Geschmack kommt, kann dann anschließend eine Stufe weitergehen und das nächst höhere Level hinsichtlich Survival-Training erklimmen, indem er sich für weiterbildende Kurse anmeldet.

Persönlicher Einsatz und Vorbildfunktion

Im Vordergrund eines jeden Überlebenstraining steht der persönliche Einsatz. Denn kommt es tatsächlich einmal zu einer echten Survival-Situation, dann kann jede Sekunde des Zögerns fatale Folgen haben. Hier heißt es, schnelle Entscheidungen treffen und nach diesen Entscheidungen handeln.

Persönlicher Einsatz kann in Notfallsituationen über Leben und Tod entscheiden. Deshalb muss der persönliche Einsatz bereits während des Überlebenstrainings ganz oben auf dem Programm stehen. Wer auch in brenzlichen Situationen persönlichen Einsatz zeigt, der nimmt durch besonnenes aber entschlossenes Handeln dann gleichzeitig eine Vorbildfunktion ein.

Spezielles Survival-Training

Für spezielle Outdoor-Bereiche kommen spezielle Trainingsformen zur Geltung.

Wer auf den Mount Everest steigen möchte, der wird sich im Zuge des Überlebenstrainings weniger mit verschiedenen Arten des Feuermachens beschäftigen, dafür aber mehr mit Konditionstraining für die Vorbereitung des Aufenthalts in Höhenlagen der Todeszone.

Wer auf eine Winterexpedition aufbrechen will, der wird sich mit Kältetraining beschäftigen. Und wer in den Dschungel geht, der wird sich mit giftigen oder gefährlichen Tieren auseinandersetzen müssen.

Neben dem normalen Überlebenstraining kommen bei spezifischen Anforderungen noch spezifische Trainingsprogramme hinzu.

Fazit

Beim Überlebenstraining geht es um das Erlernen von Techniken, die im Notfall das Überleben in der Natur, das Überleben auf Reisen (oder Expeditionen) und das Überleben in urbanen Gebieten gewährleisten können.

Überlebenstraining bedeutet nicht nur Prepping, krasse Survival-Skills und Essen von Insekten. Im Gegenteil kann es in den Alltag integriert werden, das Fitnessstudio ersetzen und als Gesamtkonzept mit dem Ziel der Steigerung körperlicher Fitness in Verbindung mit Erlernen neuer Fertigkeiten und ständiger Verbesserung der gleichen betrachtet werden.

Folge Mike

Mike Lippoldt

Über den Autor: Mike ist Gründer von ousuca. Nach zahlreichen Reisen wanderte Mike als Jugendlicher mit dem Fahrrad nach Spanien aus und erschuf sich hier von Null an eine neue Existenz. Über seine Abenteuer und den kalten Sprung in ein neues Leben schrieb er ein Buch.
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